Ziemlich sarkastisch, oft verblüffend
Ensemble „andcompany&co“ zeigte entlarvendes Stück über die

Münster -

Eine Bushaltestelle, irgendwo mitten in Deutschland. Das Wartehäuschen ist bunt bemalt. Ein paar Pflanzen, irgendwo schaut der Rüssel eines Elefanten hervor. „Neu Afrika“ heißt diese Haltestelle, doch der ehemalige gleichnamige Ferienpark östlich von Berlin ist tatsächlich längst geschlossen. Das Bild des kolonialen Afrikas, geprägt von unter lautem Geschrei Hirse stoßender schwarzer Frauen, wurde hier in einem betulichen Freizeitpark vermittelt – noch in den 1960er Jahren wurden klischeehafte Postkarten von hier verschickt, erfuhren die Zuschauer am Mittwoch im Pumpenhaus.

Donnerstag, 16.01.2014, 17:01 Uhr

Die Kongokonferenz von 1884/85 stand im Mittelpunkt des Stücks „Black Bismarck“, in dem sich die Akteure des Berliner Ensem­bles „andcompany&co“ auf die Suche nach Spuren der europäischen Kolonialpolitik machten.
Die Kongokonferenz von 1884/85 stand im Mittelpunkt des Stücks „Black Bismarck“, in dem sich die Akteure des Berliner Ensem­bles „andcompany&co“ auf die Suche nach Spuren der europäischen Kolonialpolitik machten. Foto: heh

„Black Bismarck“ hieß die mit Videos und Livemusik gestützte Produktion des Berliner Ensembles „andcompany&co“, die ziemlich sarkastisch, oft verblüffend, aber immer spannend die europäische Kolonialpolitik vorführte. Die Kongokonferenz von 1884/85 stand im Mittelpunkt des Stücks, und so sah man das Plündern eines ganzen Kontinents von durchaus distinguierten Herrschaften in Pickelhauben und Fantasieuniformen, die sich benahmen, als wollten sie an einem Buffet die besten Stücke abbekommen.

Die Schauspieler, die sowohl live auf der Bühne als auch im Video und als Musiker agierten, kamen in jeder Szene überzeugend rüber, egal ob ruhig lesend oder laut über die Widrigkeiten eines Zebrastreifens für den weißen Mann (auf den weißen Streifen sieht man ihn angeblich nicht!) fluchend. Schockierend, wie auch heute der Alltag noch von kolonialen Vorurteilen durchtränkt ist. Noch zu Beginn der 80er Jahre wurde „ Afrika “ im Schlager als Hochburg der Trommeln, finsteren Geräusche und Buschmänner besungen.

Dass in vielen Städten Straßennamen aus der Kolonialzeit überlebten, wie beispielsweise die „Mohrenstraße“ in Berlin , dass dereinst ein weißer Politiker die Ausrottung eines ganzen afrikanischen Volkes empfahl, weil es schlicht seinen Wirtschaftsinteressen im Wege stand, und dass schwarze Menschen im weißen Umfeld heute noch Vorurteilen ausgesetzt sein können, wurde deutlich. Die Inszenierung aber verzichtete auf Sentimentalität, ließ stattdessen die Schauspieler Joachim Robbrecht und Gorges Ocloo als flämische sprechende Forscher im Video das weiße Deutschland erkunden – und feststellen, dass es von „Buschmännern“ nur so wimmele. Denn „Busch“ ist das flämische Wort für Wald. Und man hätte doch den einen oder anderen Deutschen sichtbar aus einem Walde kommen sehen ...

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