Wie Tarzan ohne Jane
Thiersch-Choreographie „Corps Étrangers“ im Pumpenhaus

Münster -

Die Bühne fast leer. Nur ein Mann liegt auf dem Boden. Sein Kopf ist mit einem von der Decke hängenden Tau umwickelt. Er steht auf, doch das Tau begrenzt seinen Bewegungsradius. Erst nach vielen getanzten Körperrotationen kann er sich von dem befreien, was ihm auch Halt gegeben hat. Diese erste von vier Sequenzen  („Was heißt modern sein?“) bildet den Auftakt zu einem 70-minütigen Körper-Feuerwerk.

Montag, 03.02.2014, 19:02 Uhr

Die Tänzer entdecken in der Choreographie von Stephanie Thiersch die Vertikale.
Die Tänzer entdecken in der Choreographie von Stephanie Thiersch die Vertikale. Foto: Martin Rottenkolber

Ein Männerquintett führt in der Choreographie von Stephanie Thiersch eine atemberaubende Mischung aus nahezu zirkusreifer Akrobatik, Kletterkunst, Kraftakte und Tanzeinlagen vor, die nicht für den modernen Menschen kreiert worden sind, sondern für Mischwesen aus einer vorzivilisierten Zeit. Die bewegen sich teils auf allen Vieren, wälzen sich auf dem Boden oder ziehen sich in die Höhe. Sie entdecken die Vertikale als Tanzebene. Intensiv werden die drei Seile in die Bewegung eingebunden, an denen man bis unter die Decke klettert, lustvoll baumelt, sich abrollen lässt oder wie Tarzan durch den Urwald schwingt, nur ohne Jane.

Das sieht manchmal recht gefährlich aus und muss abgesichert werden, ohne dass es auffällt. Beeindruckend sind die getanzten Partnerübungen und die fließenden und geschmeidigen Übergänge von einer archaisch anmutenden Bewegungsfigur zur anderen.

Wie ein Livemitschnitt aus dem Dschungel wirkt der Klangteppich. Ein Knarren, Pochen, Quietschen, Zirpen, Zwitschern, Kratzen und Fiepen ist zu vernehmen, ab und an vermischt mit Perkussionsgeräuschen und dem  Spiel von Cello oder Kontrabass.

Zum Ende, als zu lesen ist, dass „wir nie modern waren“, wird es noch recht heiter: Die „Abschlussprüfung“ gerät zu einer kleinen Kostümparade, die besonders dem weiblichen Publikum einige Lacher entlockt. Ob der Tanzabend nun große Fragen aufgeworfen oder beantwortet hat und ein festgezurrtes Konzept verfolgte, sei dahingestellt. Die teils unmissverständliche, teils flüchtige Symbolik lieferte für beides Argumente.

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