Fern des Krieges – nah am Tod
Theater en face gelingt mit „14 / 14“ ein packendes Dokudrama

Münster -

Eine junge Frau sitzt an einer Nähmaschine und wartet sehnsüchtig auf eine Nachricht ihres Mannes. Es ist 1914; der Erste Weltkrieg hat begonnen, und Anna versucht, sich ein Bild davon zu machen, was an der Front geschieht. Von ihrem Liebsten kommen nur kurze Postkarten, umso mehr erfährt sie von anderen Frauen. Zum Beispiel, dass Briten und Deutsche an Weihnachten Fußball gespielt und Geschenke ausgetauscht haben. „Wie soll man nach so was wieder aufeinander schießen?“, fragt sich die Ehefrau fassungslos.

Freitag, 07.02.2014, 19:02 Uhr

Schicksale: Anne Rolfes und Marion Bertling (v. l.) verkörpern Frauen in Zeiten der Kriege.
Schicksale: Anne Rolfes und Marion Bertling (v. l.) verkörpern Frauen in Zeiten der Kriege. Foto: Isabell Steinböck

100 Jahre später sitzt Kriegsreporterin Cathérine ( Marion Bertling ) auf einem Barhocker und erzählt von Grenzerfahrungen in Sarajevo , Tschetschenien und Afghanistan: „Ich mag es irgendwie, Angst zu haben“, sagt die Journalistin, die jede „gefühlige Nähe“ nüchtern abwehrt. Das „wirkliche Leben“ verstöre sie viel mehr, als der Ausnahmezustand im Krieg . Am Ende, nach langen Jahren der Verdrängung, wird sie der Krieg doch überwältigen.

„14 / 14 – Der Krieg zu Haus / zu Haus im Krieg“ ist ein packendes, dokumentarisches Stück, das (100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg ) zwei Frauenansichten miteinander kontrastiert, bis sich die Erinnerungen immer ähnlicher werden. Aus Feldpostbriefen, Reportagen, expressionistischer Lyrik, Märchen und Ratgeber-Literatur gelingt Regisseurin Xenia Multmeier mit ihrem „Theater en face“ auf der Bühne des Pumpenhauses eine packende Collage, die Pathos vermeidet und dem gewichtigen Thema damit umso näher kommt.

Im Zentrum stehen weniger schauspielerische Aktionen als spannende, gut ausgewählte Texte, die zwei Darstellerinnen überzeugend mit ihrer Figur verbinden. Anne Rolfes nimmt als Anna für sich ein, wenn sie von ihren Sorgen und Nöten erzählt, das Lebensmittelgeschäft ihres Mannes im Krieg plötzlich allein leiten zu müssen. Oder wenn sie (zehn Jahre später) die Ehe als Kampf ums eigene Ich erlebt – alleinerziehend, aber dafür emanzipiert. Gelungen auch eine Szene, in der die Frau müde und innerlich zurückgezogen in einer Fabrik sitzt, dem Tod näher als dem Leben.

In Kontrast dazu stehen groteske Momente, in denen sie mit Marion Bertling als Krankenschwester, mit den Fingern gegen die Wangen klopfend, „tränenfreie Traumatechnik“ vorstellt. Als wenn das so einfach wäre.

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