Kanak im Biobett
Witzig und berührend: Stand-Up-Comedy von Cactus im Pumpenhaus

Münster -

Ein Jugendlicher flirtet mit zwei hübschen Mädchen; bei jedem Witz, den er erzählt, lachen die beiden herzlich. Ein anderer beobachtet die Szene, und sofort ist ihm klar: Humor kommt an. Ein Comedy-Club muss her, aber wo findet man witzige Ideen? Schnell wird deutlich: Den größten Witz bietet die Realität selbst, und das ist auch gut so, denn mit Satire oder Selbstironie lässt sich einiges leichter ertragen . . .

Donnerstag, 13.02.2014, 19:02 Uhr

Wie bringe ich eine Frau zum Lachen? Im neusten Cactus-Stück gehen die Jugendlichen das Thema professionell an und gründen einen Comedy-Club.
Wie bringe ich eine Frau zum Lachen? Im neusten Cactus-Stück gehen die Jugendlichen das Thema professionell an und gründen einen Comedy-Club. Foto: Ralf Emmerich

„Wer zuletzt lacht, macht das Licht aus“, die neuste Produktion von Cactus Junges Theater, die unter der Regie von Barbara Kemmler im Pumpenhaus Premiere feierte, bringt Szenen auf die Bühne, die herzhaft lachen lassen und dennoch berühren. Wie man es von Cactus kennt, ist das Ensemble multikulturell aufgestellt. Die jungen Akteure kommen aus Ghana , Kamerun oder Ex-Jugoslawien und reflektieren ihr Leben in deutscher Gesellschaft, das sie immer wieder zu Außenseitern macht. Das ist schmerzvoll, birgt jedoch auch jede Menge Witz, wenn man es kabarettistisch betrachtet.

Für die Texte hat Kemmler Profis aus dem Humor-Bereich engagiert: Christoph Tiemann und Lennart Knebel, außerdem Poetry-Slammer Marian Heuser. Dramaturgin Petra Kindler hat daraus ein Skript verfasst, das zu den jungen Möchtegern-Comedians passt.

Gifty Wiafe ist mit ihren 1,56 Metern Sympathieträgerin des Abends, wenn sie sich mit bitterböser Miene über zu hohe Haltegriffe in Bussen beschwert oder mit sichtlichem Spaß an Übertreibung diverse ihrer „Baustellen“ – zu klein, zu schwarz, zu weiblich – vorführt. Ibrahim Issa, alias Ibi, hat die Lacher auf seiner Seite, wenn er wie ein Dozent am Mikrofon steht und dem Publikum einen Schnellkursus in „Kanakschen-Dialekten“ gibt. Alice Negulescu macht sich in ihrer Rolle als Französin über den deutschen Hype um Biobetten und „feng-geshuite“ Matratzenschoner lustig; zwischendurch sorgt ein gern gesehener Clown für Klamauk.

Was hängen bleibt, sind die ernsten Töne von Emmanuel Edoror, der sich als Farbiger fragt, wie er in Deutschland ankommen soll, wenn ständig Leute die Straßenseite wechseln, um ihm nicht begegnen zu müssen. Juliette Nkometa bringt es mit ihrem Abschluss-Song auf den Punkt: „Free your mind.“

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Weitere Vorstellungen: Freitag bis Sonntag (14. bis 16. Februar) um 20 Uhr im Pumpenhaus, Gartenstraße 123. Die Freitagvorstellung ist mit Gebärdensprachdolmetscher. Karten (12 / 7 Euro) gibt es unter ✆ 23 34 43.

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