Performance im Pumpenhaus
Übungen für die innere Satellitenschüssel

Münster -

Am Anfang herrscht Schweigen: Drei Männer und eine Frau sitzen regungslos auf Stühlen und blicken ernst ins Publikum. Derart zurückgenommen, erscheint selbst die kleinste Aktion, sei es eine leichte Kopfbewegung oder ein Blinzeln, auf der Bühne des Pumpenhauses bemerkenswert groß. Dann beginnt eine absurde, zeitversetzte Unterhaltung. Gedanken werden geäußert, Fragen gestellt, Antworten gegeben und noch häufiger verweigert. Straßengeräusche, emotionale Zustände oder das Aussehen Einzelner im Publikum sind Themen, die wie aus dem Nichts zur Sprache kommen. Groteske, witzige, zusammenhanglose Statements sind dabei, zum Beispiel die Bemerkung, dass es wichtig sei, das Pumpenhaus von Pumpernickel zu unterscheiden.

Sonntag, 23.02.2014, 17:02 Uhr

Ein Paar wie im Nebel und hinter Glas.
Ein Paar wie im Nebel und hinter Glas. Foto: Büro für Zeit und Raum

„Gedanken über weite Entfernungen. Eine Kontaktaufnahme“ ist der Titel dieser ungewöhnlichen Produktion, einer Performance des Berliner Künstlerkollektivs „büro für zeit + raum“, die, als Doppelpass-Projekt von der Bundeskulturstiftung gefördert, in Kooperation mit den Wuppertaler Bühnen entstanden ist. Das Regie-Duo Anne Hirth und Christian Kesten geht den „Bedingungen unserer Kommunikation“ auf den Grund und bringt dabei sogenannte „Übungen für die innere Satellitenschüssel “ auf die Bühne. Tatsächlich kreisen die fünf Darsteller umeinander wie fremde Planeten. Jeder für sich scheint einen eigenartigen Mikrokosmos zu bilden. Auf ungewöhnliche, grenzüberschreitende Weise nehmen die Individuen Kontakt zum Gegenüber auf, ohne einander dabei wirklich nahe zu kommen.

Auf freundliches Bitten hin werden Finger in Ohren und Nase gesteckt, ein Paar küsst sich, getrennt durch eine Plexiglasscheibe, einem Mann wird die Kleidung „sehr unfreundlich“ vom Leib gerissen, ein anderer gibt zischende Geräusche von sich. Irgendwann begegnen sich zwei Tänzer in einer Kontaktimprovisation, und die Gruppe findet sich in einem Glaskasten zur Kakophonie kurioser Erzählfetzen um politisch korrektes Essen und verendete Haustiere. Wie eine Dirigentin moduliert Irena Tomazin die Stimmen der anderen, lässt sie mal laut, mal leise, mal langsam, mal schnell sprechen. Am Ende taucht alles in weißen Nebel ...

Unterm Strich ein dramaturgisch mitunter wirres, aber dennoch originelles Stück, das sein Publikum durch Witz für sich einzunehmen weiß und das Thema isolierter Identitäten facettenreich spiegelt.

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