Gegen die Gleichgültigkeit
Ma-Ke-Theater mit „Poesie und Empörung“ im Pumpenhaus

Münster -

Auf der Bühne des Pumpenhauses ist es dunkel; nur die Beine eines Schauspielers sind zu sehen, der, ruhelos auf- und ablaufend, Georg Trakls „Gesang zur Nacht“ rezitiert: „Wir sind die Wandrer ohne Ziele, die Wolken, die der Wind verweht . . .“ Ein gelungener Auftakt für ein Theaterstück, das sich dem Gedichte-Liebhaber Stéphane Hessel widmet, und (inspiriert von seiner Überzeugung, dass die schlimmste aller Haltungen die Gleichgültigkeit sei) Missstände anspricht, die unsere Gesellschaft bis heute bewegen.

Donnerstag, 06.03.2014, 19:03 Uhr

Poesie und Empörung hat das Ma-Ke-Theater in Szene gesetzt mit (v. l.) Andreas Ladwig und Denis Neumann
Poesie und Empörung hat das Ma-Ke-Theater in Szene gesetzt mit (v. l.) Andreas Ladwig und Denis Neumann Foto: Peter Leßmann

Hessels Biografie allein böte schon Stoff genug für ein Drama: 1945 überlebte der französische Widerstandskämpfer das KZ in Buchenwald nur knapp. Brechen konnten ihn die Nazis nicht: Als UN-Diplomat setzte er sich zeitlebens für Menschenrechte, Demokratie und Frieden ein. Noch mit 93 Jahren verfasste Hessel das Pamphlet „Empört euch!“, das fast eine Millionen Mal verkauft wurde. Regisseur Manfred Kerklau nimmt in seiner neuesten Ma-Ke-Produktion „Poesie und Empörung“ beides auf: den Lebensweg des Widerstandskämpfers und seine politischen Ideale. Dabei lässt er sich von Gedichten leiten, die Hessel als sogenanntes Lebenselixier dienten. Düster, morbide und flüchtig wirken die Verse von Francois Villon , Shakespeare, Rainer Maria Rilke oder Ernst Jandl, die das achtköpfige Ensemble Schlag auf Schlag vorträgt, unterbrochen von Hessels Lebensgeschichte und eigenen Texten.

Die Dramaturgie ist mitunter verwirrend, dennoch gelingen prägnante Szenen. Etwa, wenn die 80-jährige Katrin Heinrich ihre Kinderlandverschickung Revue passieren lässt, ausdrucksvoll untermalt durch folkloristischen Tanz (Choreografie: Annelise Soglio). Oder wenn der junge Denis Neumann den Bogen in die Gegenwart schlägt, indem er von globaler Wut und Revolte gegen die Warenwirtschaft spricht, während das Ensemble als Symbol der Occupy-Bewegung unter Guy-Fawkes-Masken grinst.

Nele Koops beschwört Flüchtlingstragödien herauf, als es um Menschenrechte geht, liegen drei Darsteller wie gefesselt auf dem Boden. Nach dem Stück stellte sich Künstler Jan Enste wortlos dem Publikum in den Weg. Wer vorbei wollte, musste sich wehren – treffender lässt sich Widerstand kaum provozieren.

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Vorstellungen: Freitag bis Sonntag (20 Uhr). Karten: ✆ 23 34 43.

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