Gruselige Lesung im Kleinen Bühnenboden
Gänsehaus mit Sandmännchen und Sensenmann

Münster -

Wenn Wiegenlieder unheimlich durchs Babyphon scheppern und das Kinderbettchen von Plastikspinnen übersät ist, schwant dem Publikum im Kleinen Bühnenboden sofort: Hier reichen sich Sandmännchen und Sensenmann die Hände. Birgit Corinna Lange und Martin Gresselmeyer brachten am Samstagabend eine morbide szenische Lesung auf die Bühne, die ihre Wirkung nicht verfehlte: „Kindlein mein, schlaf nur ein“.

Sonntag, 16.03.2014, 17:03 Uhr

Birgit Corinna Lange und Martin Gresselmeyer lasen Gruseliges aus klassischer Feder.
Birgit Corinna Lange und Martin Gresselmeyer lasen Gruseliges aus klassischer Feder. Foto: zin

Dafür bürgten Literaten wie Roald Dahl und natürlich Edgar Allan Poe , dessen berühmtes „Verräterisches Herz“ gleichsam als thematisches Zentrum des Abends unter den (Bühnen-)Brettern pochte. Wobei schwarzer Humor nicht zu kurz kam. Mit Frack und Zylinder sah Gresselmeyer aus wie ein Brite, der soeben aus seinem Gentlemen’s Club heimgekommen ist und dort Unheimliches vorfindet. Wer so gekleidet unter schummriger Stehlampe jene Mordgelüste vorträgt, die Poes schwarzer Phantasie entstammen, kann sich’s erlauben, den „gellenden Schrei“ der Erzählung phonstark ins Publikum zu bölken. Grusel, der sich nicht bierernst nimmt.

Auch Birgit Corinna Lange (Bico La) hat sich angemessen rausgeputzt. Die Schleier ihres knittrigen Hochzeitskleides sind mit Blutflecken bedeckt, der Teint wächsern blass geschminkt, die Augen von Gruftschleiern umflort. So empfängt sie mit zuckersüßen Worten als „Wirtin“ (in Dahls gleichnamiger Geschichte) hübsche junge Männer – die das dasselbe Schicksal erwartet wie die präparierten Schoßtiere in ihrer Pension. Norman Bates­, ick hör dir trapsen…

Auch eine eigene Grusel-Story liest „Bico La“ vor. Sie spielt während eines Stromausfalls und wurde auch während eines solchen geschrieben. Ihre Protagonistin sinniert am Laptop über die allseits bekannte Zeugungsfreudigkeit, wenn zwangsweise die Lampen ausgehen. Aber welcher ihrer (Ex-)Lover klopft nun im Stockdunklen unheimlich an ihre Tür? Originell und gut.

Bis zum immer noch Gänsehaut treibenden „Fass Amontillado“ von Poe bleibt die Gruselstimmung wohlig. Und dass die Gäste aus Bremen beim „Knaben im Moor“ die strenge münstersche Messlatte reißen – wen stört’s.

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