Ohne Kinder wird spielen langweilig
Ohne Kinder wird spielen langweilig

Münster -

Die Bühne des Pumpenhauses wirkt wie ein Spielplatz: Hier steht eine Sandmuschel, dort eine kleine Plastikwippe, Schaukel und Holzspielzeug. Pappkartons, mal zur Mauer, mal als Turm gestapelt, grenzen die Szenerie ein, wie auch die obligatorischen Bänke für Erwachsene.

Donnerstag, 20.03.2014, 17:03 Uhr

Aus dem Dunkel kamen Gitarrenklänge.
Aus dem Dunkel kamen Gitarrenklänge. Foto: Frutiger/Jaquemet

„Der Spielplatz “ ist ein Theaterprojekt von „Schauplatz International“, einem vierköpfigen deutsch-schweizerischen Theaterkollektiv, das mit seinem ungewöhnlichen Format zum ersten Mal in Münster auftrat.

Ursprünglich ist das Stück für Kinder und Erwachsene konzipiert. In Ermangelung kindlichen Publikums (Welches Kind geht schon an einem Mittwoch um 20 Uhr ins Theater?) teilt ein Darsteller in roter Bergarbeiterkluft das Publikum daher in „Kinder“ und „Erwachsene“ ein. Wie der berühmte Rattenfänger von Hameln lässt er die „Kinder“ mit verbundenen Augen auf der dunklen Bühne hintereinander in eine imaginäre Höhle laufen, während die übrigen Zuschauer auf Bänken Platz nehmen. Auch sie werden angewiesen, sich die Augen zu verbinden. Nun kommt es nur noch darauf an zu hören, was da nah am Ohr aus den Lautsprechern tönt oder (etwas weiter weg) als diffuse Geräuschkulisse aus Gitarrenklängen, Gesprächsfetzen und fallenden Objekten spielender „Kinder“ wahrzunehmen ist.

Gehört die Kindergruppe zum aktiven Teil der Performance, wenn sie Sand aus einer Spritztüte rieseln lässt oder den Rattenfänger dabei beobachtet, wie er Steine zerklopfend, Farb-Pigmente gewinnt, gestaltet sich die Erwachsenen-Position passiver. Anfangs ist es spannend, einem Sprecher zu lauschen, der das traurige Szenario verlassener Eltern beschwört oder den Spielplatz als Lebens-Ort diverser Generationen beschreibt. Mit der Zeit zieht sich der Monolog, der bald wie ein kulturhistorischer Vortrag wirkt, allerdings in die Länge. Da wünscht man sich mitunter in die Rolle der spielenden „Kinder“, bevor in einem skurrilen Geräusche-Chor am Ende endlich alle gemeinsam aktiv werden.

Ein Theaterexperiment, das durch sein ungewöhnliches Konzept für sich einnimmt, jedoch tatsächlich mehrere Generationen erfordert, damit es stimmig wirkt. So scheint das Ziel verfehlt.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2337268?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F2575595%2F2575599%2F
Weihnachtsbaum im Wohnzimmer: Echte Tanne oder Plastik-Baum?
Klimaschutz wird immer wichtiger: Weihnachtsbaum im Wohnzimmer: Echte Tanne oder Plastik-Baum?
Nachrichten-Ticker