Amateurbühne führt „Harry & Sally“ auf
Geständnisse beim Anstreichen

Münster -

Wer nach Meg Ryans Föhnfrisur sucht, wird enttäuscht. Das Stück spielt außerdem nicht mehr in den 1980er Jahren, sondern zwischen 2001 und 2014. „Harry & Sally“ – ein zeitloser Komödienstoff also.

Sonntag, 30.03.2014, 17:03 Uhr

Wie peinlich: Sally (Kathrin Hattenbach) lässt sich gehen und gibt im Lokal Laute der Ekstase von sich, die Harry (Lukas John) dort lieber nicht hören würde.
Wie peinlich: Sally (Kathrin Hattenbach) lässt sich gehen und gibt im Lokal Laute der Ekstase von sich, die Harry (Lukas John) dort lieber nicht hören würde. Foto: Amateurbühne Münster-Ost

Die Amateurbühne Münster-Ost, eine der ältesten Amateurbühnen Deutschlands , hat „ Harry & Sally “ jetzt erstmals im Pfarrer-Eltrop-Heim auf die Bühne gebracht. „Das Stück ist definitiv keine typische Boulevardkomödie“, sagte Marion Isken, die zusammen mit Christian Neuhaus Regie führte. Deshalb sei „Harry & Sally“ genau die Art Geschichte, nach der sie gesucht hätten.

„Harry & Sally“ ist eine leichtfüßige romantische Komödie, die 1989 in die Kinos kam. Der Film fragt auf amüsante Art, ob Mann und Frau befreundet sein können oder ob ihnen nicht ständig der Sex in die Quere kommt. Auch Harry Burns – er ist der Partner einer Collegefreundin von Sally Albright – ist der Meinung, dass Männer bei Frauen prinzipiell etwas anderes suchen als Freundschaft. Als er Sally Avancen macht, ist er für sie endgültig durchgefallen. Erst, als sie nach elf Jahren das dritte Mal aufeinandertreffen, entwickelt sich eine Freundschaft. Die Frage, ob diese tatsächlich von Dauer sein kann, bleibt aber bestehen.

Die Amateurbühne hat die Bühnenfassung von Marcy Kahan gewählt. Wer die Filmvorlage kennt, wird schnell Unterschiede feststellen können. Die Regisseure haben, wie schon erwähnt, den Stoff in das neue Jahrtausend gehoben. August 2001 prangt auf einem Plakat neben der Bühne. Am Ende der Aufführung ist das Jahr 2014 erreicht.

Der schwarz-weiß geflieste Boden der Vorbühne, die mal als Café, mal als Festsaal benutzt wird, erinnert an ein amerikanisches Lokal. In einem solchen findet die berühmteste Szene dieser Geschichte statt, die auch bei der Premiere für Heiterkeit sorgte: Sally täuscht Liebesspiel-Ekstase vor, urkomisch umgesetzt von Schauspielerin Kathrin Hattenbach, die auch sonst überzeugte. Durch parallel gespielte Szenen und raffinierte Nutzung verschiedener Bühnen-Ebenen bleiben die Bilder abwechslungsreich. Die vom Film vorgegebenen Schauplätze werden allerdings nicht sklavisch eingehalten. So wandelt sich eine Flughafenhalle in ein Fitnessstudio und eine Autofahrt ins Anstreichen einer Wohnung.

Was jedoch die Geschichte von Harry und Sally ausmacht, das bleibt: Die flotten Dialoge, die sympathischen Charakteren und der Zwiespalt zwischen Liebe und Freundschaft wurde von den Darstellern der Amateurbühne und ihren wenigen Mitstreitern so charmant auf die Bühne gebracht, dass sie den gesamten Premierenabend hindurch von Lachern und spontanem Applaus des Publikums belohnt wurden.

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Die nächsten Aufführungen: 5. April (20 Uhr), 6. April (17 Uhr), 26. April (20 Uhr), 4. Mai (17 Uhr) und 10. Mai (20 Uhr) im Pfarrer-Eltrop-Heim, Wolbecker Straße 101. Karten (9.50 Euro) gibt es im Internet oder in der Copy-Casa, Wolbecker Straße 91. 

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