Künstler Ruppe Kosellecks Projekt zum Ersten Weltkrieg
Der erste Tote soll Ruhe haben

Münster -

Mayer erschießt Peugeot und wird erschossen. Die beiden ersten Toten des Ersten Weltkrieges. Peugeot wird bis heute verehrt. Mayer wurde von den Nazis missbraucht und dann vergessen. Jetzt bringt ein Künstler Mayers Erde zurück zu seinem Grab.

Donnerstag, 10.04.2014, 18:04 Uhr

Die ersten Toten des Ersten Weltkrieges: der Franzose Jules-André Peugeot (l.) und der Deutsche Albert Mayer.
Die ersten Toten des Ersten Weltkrieges: der Franzose Jules-André Peugeot (l.) und der Deutsche Albert Mayer. Foto: Gerhard H. Kock

Erde kann brisant sein. Hans Haacke sorgte für Streit, als die Abgeordneten des Bundestages dort für seine Arbeit „Der Bevölkerung“ Erde aus ihrem Wahlkreis einbringen sollten. Weniger publik, aber nichtsdestoweniger brisant ist „Maysers Erde“. Der münsterische Künstler Ruppe Koselleck hat sich den ersten Gefallenen des Ersten Weltkrieges gewidmet: Am 2. August 1914 erschießt Albert Mayer auf französischem Boden Jules-André Peugeot und stirbt selbst. Das Deutsche Reich hat Völkerrecht gebrochen. Der Franzose wird verehrt. Mayer wurde missbraucht .

Peugeot erhielt rasch ein Denkmal. Mayer nicht, bis Kaufleute aus Enger 1937 auf die Idee kamen, drei Handvoll Erde seines Grabes zur Heldenverehrung zum Widukind-Museum zu bringen. Dieses „Geschichtsdoping“, so Koselleck, sollte Opferbereitschaft mobilisieren. 1938 wird die Gedenkstätte mit der Blut- und Boden- „Reliquie“ eröffnet, 1939 zettelt Deutschland den Zweiten Weltkrieg an.

Mit Kriegsbeginn aber wird Karl der Große Bezugspunkt von Hitler. Widukind fällt als Unterlegener und Unterwürfiger in Ungnade, und mit ihm gerät Mayer in Vergessenheit. Bis in die 1970er-Jahre aber war die Kultstätte im Museum in Enger zu sehen. Nun lagert die Erde im „Giftschränkchen“.

„Am 2. August 2014 bringe ich dem Albert Mayer die Erde zurück. Das wird eine stille Geste.“ Ruppe Koselleck lässt sich lediglich von einem Kollegen für die Dokumentation filmen.

Das zweieinhalb Jahre dauernde Recherche-Projekt findet damit einen Abschluss. Dokumentation und künstlerische Reflexionen Kosellecks werden in mehreren Stätten zu sehen sein, im Herbst auch in Münster. Damit nicht genug: „Ich benutze die Rezeptionsgeschichte von ,Mayers Erde’, um mit Jugendlichen und Studenten zu diskutieren: Was würdet ihr damit machen?“

So haben Laura Blömker, Lucia Zoe Miehe, Caroline Müller-Hofstede und Johanna Wahle vom Gymnasium Paulinum einen Pokal angefertigt, wie er bei Sportveranstaltungen verliehen wird. Ein Reiter ist auf der Plakette zu sehen (Mayer gehörte zu einem Jäger-Regiment zu Pferde) und eingraviert steht geschrieben: „1. Gefallener“ – keine Auszeichnung.

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