Afrika-Festival im Pumpenhaus
Tänzerischer Kampf um Macht und Identität

Münster -

Am Strand des weitläufigen Meeres an der Küste Mosambiks ist der Horizont grau. Es herrscht Unruhe. Vier Tänzer schwirren hektisch um vier Stühle herum, wie Arbeiterbienen um einen Bienenstock. Sie lassen sich auf die Stühle fallen oder auf den Boden – immer und immer wieder. Ein Tänzer will sich von dieser scheinbaren Gesetzmäßigkeit befreien, mit seinem Beharren auf eigenen Rhythmus und Ausdruck. Er wird jedoch von einer Tänzerin energisch zurückgehalten. Sie presst ihn in das vorherrschende Bewegungsschema. Am Samstag überzeugte der mosambikanische Choreograf Panaibra Gabriel Canda im Theater im Pumpenhaus mit seiner neuen Arbeit „Point of Intersection“.

Sonntag, 13.04.2014, 17:04 Uhr

Famoses Tanztheater „Point of Intersection“: Bilder und Botschaften springen im Theater im Pumpenhaus in einer direkten Bewegungssprache von Körper zu Körper.
Famoses Tanztheater „Point of Intersection“: Bilder und Botschaften springen im Theater im Pumpenhaus in einer direkten Bewegungssprache von Körper zu Körper. Foto: Peter Fiebig

Es geht um die postkoloniale Daseinsfindung seines Landes, um die Befreiung von überkommenen Machtstrukturen und Denkweisen. Die vier Stühle versinnbildlichen gewachsene Strukturen und Zugehörigkeiten, zu einem Ort, zu einer Politik, zu Traditionen, zu Verhaltensweisen. Wie die ewig gleichen fortwährenden Wellen des Meeres (exzellente Projektion auf Wände und Boden des Pumpenhauses ) sind sie einfach immer da. Vier Tänzer aus verschiedenen Generationen entfesseln mal minimalistisch, mal wuchtig einen Kampf um diese Stühle, um ihren ganz eigenen Platz im Leben. Wer einmal auf den Stühlen sitzt, hat die Macht, besitzt alles, was darunter und darüber ist.

Beeindruckend ist das Solo eines Tänzers, der fast nackt seine ganze Verletzlichkeit offenbart. Auch wenn sich später alle gegenseitig zu helfen versuchen, aufeinander zugehen und vor Freude mit den Beinen trommeln: Das ist nur eine trügerische Ruhe vor dem nächsten Sturm um die machtvollen Stühle. Panaibra Gabriel Canda baut einen guten Spannungsbogen zwischen Freiheitsbegehren und Schutzsuche im Althergebrachten auf, vermischt raffiniert die Ästhetik des europäischen mit dem afrikanischen Tanz. Domingos Bié, Leia Mabasso, Sonia Mulapha und Vasco Mirine tanzen die Aufs und Abs im Leben mit pulsierendem Rhythmusgefühl und exzellentem Körperausdruck, etwa wenn sie himmelhoch jauchzend in die Luft springen und jäh tief zu Boden fallen und betrübt feststellen, dass sie niemand aufgefangen hat. E-Gitarrist Jorge Domingos sorgt für groovende Musik. Dennoch wirkt das 60-minütige Stück etwas langatmig, durch die zu ausgereizten Wiederholungen einzelner Bewegungsmuster, die mehr illustrativ wirken, als dem Kampf für mehr Freiheit neue Nuancen verleihen zu können.

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