„Tallis Scholars“ in der Überwasserkirche
Glühendes Farbenspiel

Münster -

Am Karsamstag tauchten die Zuhörer in der Überwasserkirche musikalisch in die Renaissance ein. Klar wie Quellwasser tönten die Stimmen der weltberühmten Tallis Scholars und erfüllten die Kirchenmauern mit polyphonen Meisterwerken, die von einer archaischen Frömmigkeit erzählten. Eine Musica Sacra, die herüberraunte aus der Zeit von Palestrina, von William Byrd oder Orlando di Lasso. Nur der Namenspatron Thomas Tallis war leider nicht unter den alten Meistern. Man sah am Ende viele lächelnde Gesichter, begeistert und beseelt: „Große Kunst“.

Montag, 21.04.2014, 17:04 Uhr

Die englischen Meistersänger „The Tallis Scholars“ bannten ihr Publikum mit unglaublichen Nuancen.
Die englischen Meistersänger „The Tallis Scholars“ bannten ihr Publikum mit unglaublichen Nuancen. Foto: zin

Das Konzert bestand (beinahe) ausschließlich aus Vertonungen der „Lamentationes“, der Klagelieder des Propheten Jeremias, wie dies der katholischen Liturgie entspricht. Und „The Tallis Scholars“ sind mit dieser Musik verwachsen wie kaum ein anderes Ensemble. Das Spezialistentum und die Leidenschaft für Renaissance-Musik, die der Gründer Peter Phillips vor nun schon 40 Jahren entfachte, waren vom ersten Takt an zu spüren. Zehn Stimmen, die mönchische Mehrstimmigkeit wie aus dem Nichts entstehen ließen.

Die Töne wurden ungemein weich angesetzt; kein Vibrato, keine Schweller – dieser Gesang hatte etwas Reines, Meditatives, das durch den Charakter der Stücke verstärkt wurde. Sie schwebten in sphärischem Gleichmaß, kannten keine Dramatik, kein Pathos, nur das glühende Farbenspiel der Stimmen. Eintönigkeit? Nein. Man musste auf die Nuancen hören, wenn das Ohr erst einmal auf dies tönende Zeitkolorit eingestimmt war.

Da gab es dann auf einmal doch eine dynamische Aufwallung bei Orlando di Lassos „Lamentationes III“, ein satteres Bassfundament bei Palestrina oder ein strahlendes Aufleuchten des ersten Soprans („ Versa est in luctum“ von Thomas Luis de Victoria). Es war bewundernswert, wie Peter Phillips auf dem schmalen Grat zwischen makelloser Kultiviertheit und glühender Emphase musizieren ließ. Ein gebannt lauschendes Publikum, das stehende Ovationen spendete, war der Lohn.

Dräuend mahnte der Text der Klagelieder (auf Latein) immer wieder: „Jerusalem, Jerusalem, wende dich zu deinem Herrn und Gott“. Aber am Ende des Abends hatten die Meistersänger aus England noch ein beschwingtes Halleluja aus der Feder William Byrds parat. Und siehe, die Renaissance konnte auch tanzen.

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