Marlena Keil als Magd Zerline
Die Magd hortet geheime Briefe

Münster -

Ein großer alter Lederkoffer bildet die Kulisse. Er verbirgt eine geduckte Frau, die behutsam einen weiteren, kleinen Koffer in den Blick rückt, wenn sie auf allen vieren langsam ins Rampenlicht kriecht. So vorsichtig, wie sie ihr Dienstmagd-Köfferchen vor sich herschiebt, meint man, es wäre Gefährliches darin. Tatsächlich hat Zerline einst auf Ausflügen in verbotene Liebesabenteuer Dinge erlebt, die bedrohliche Ausmaße angenommen haben ...

Montag, 21.04.2014, 17:04 Uhr

Zerline (Marlena Keil) hat einen Koffer mit interessanten Inhalten dabei.
Zerline (Marlena Keil) hat einen Koffer mit interessanten Inhalten dabei. Foto: Christian Mair

Hermann Brochs Erzählung „Die Magd Zerline“ aus seinem Roman „Die Schuldlosen“ war für Hannah Arendt „eine der größten Liebesgeschichten“ überhaupt. Im Pumpenhaus brachte Marlena Keil den Stoff jetzt in einem beeindruckenden Solo auf die Bühne und wurde mit Ovationen gefeiert. Die gebürtige Münsteranerin sammelte erste Schauspiel-Erfahrungen bei Cactus Junges Theater, bevor sie an das renommierte Max-Reinhard-Seminar in Wien wechselte. „Zerline“, unter der Leitung von Regiestudent Matthias Rippert, ist ihre Abschlussarbeit.

Hinter vorgehaltener Hand beginnt Zerline ihre Geschichte. Ihr Rücken ist gebeugt, und sie wirkt alt, wenn sie sagt: „Ich hätte lieber meine eigenen Kinder bekommen.“ Stattdessen muss sie den „Bastard“ ihrer Gräfin erziehen, hervorgegangen aus einer Liebesbeziehung mit dem mondänen Herrn von Juna, dem auch sie sich bald hingibt. Marlena Keil brilliert als junge Frau, wenn sie mit dem Wintermantel auch zugleich ihr Alter abzustreifen scheint und als groteske Einlage, gewollt umständlich, auf den hochkant gestellten Koffer klettert, der hier als imaginärer Kutschbock dient. Leidenschaftliche Liebesszenen schließen sich an, ein heimlicher Triumph der Magd über die Herrin Baronin, an deren Stelle sie sich zu gern selbst sehen würde. Dass sie deren heimliche Liebesbriefe – für Zerline „armseliger Seelenlärm“ – dem Ehemann zukommen lässt, hilft wenig. Niemals wird die Magd an der Seite ihres geliebten Barons glücklich ...

Marlena Keil bringt in ihrem facettenreichen Spiel sämtliche Emotionen zum Ausdruck, wirkt mal rachsüchtig und hinterhältig, mal verwundet, letztlich vom Leben enttäuscht. Die spannende Dramaturgie trägt bis zum Schluss – ein fesselndes Stück.

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