Künstler und Schmiedemeister Werner Paß baut für Tobias Rehberger die Skulpturen
Am Ende sieht es ganz leicht aus

Münster -

Verspielt und leicht sehen die Rohre und Kabel aus. Doch bis „The Moon in Alabam“ von Tobias Rehberger sich derart locker um die Schaltkästen im Bahnhofsquartier winden, muss Werner Paß einige schrauben, schweißen und organisieren . . .

Freitag, 25.04.2014, 19:04 Uhr

Werner Paß ist der Meister der Rohre und Kabel. Für das Rehberger-Projekt in Münsters Bahnhofsquartier fertigt der Schmiedemeister und Künstler die Konstruktionen – hier die Skulptur für die Urbanstraße.
Werner Paß ist der Meister der Rohre und Kabel. Für das Rehberger-Projekt in Münsters Bahnhofsquartier fertigt der Schmiedemeister und Künstler die Konstruktionen – hier die Skulptur für die Urbanstraße. Foto: Gerhard H. Kock

Stahl . Inbegriff von Härte. Rohre. Ein Synonym für Stabilität. Bei Tobias Rehberger winden und wuseln sich Stahlrohre in scheinbar wild romantischen Träumen aus dem Erdreich heraus. Das ist Kunst. Dass die funktioniert, dafür sorgt Werner Paß . Der Schmiedemeister und Künstler mit Wohnsitz Havixbeck macht möglich, dass die Ideen des Künstlers den Erfordernissen der Wirklichkeit standhalten – und die sind im Falle der elf Skulpturen rund um Münsters Hauptbahnhof eine ebenso diffizile wie komplexe Aufgabe.

Das Rehberger-Projekt „The Moon in Alabama “ kommt in der Wirklichkeit leicht, bunt und verspielt daher. Dabei wiegt ein Rohr schon mal locker 170 Kilo und muss mit dem Kranwagen vorsichtig eingefügt werden. Es gibt Skulpturen, die bestehen aus 100 Einzelteilen. Alleine ein Schloss setzt sich schon mal aus 15 bis 20 Elementen zusammen.

Schlösser sind notwendig, weil sich die aus dem Boden windenden Rohre und Kabel um die Schaltkästen schlingen. Dabei muss das urbane Mobiliar selbstverständlich für die Techniker zugänglich bleiben: Also müssen die Skulpturen zu öffnen sein; also muss es Scharniere geben. Und: Die Rohre müssen von den städtischen Bediensteten bewegt werden können – keine leichte Aufgabe, wenn schon mal Dutzende Kilos zu drehen sind. Manche Rohre wiegen 150 Kilo. Es gibt Konstruktionen, die bringen 400 Kilo zusammen. Dann wird allerdings ein Lager eingebaut. Weil nicht jedermann mit der unsichtbaren Beweglichkeit herumspielen soll, müssen die Teile abzuschließen sein. Und zwar so, dass der Kunstfreund davon nichts sieht.

Verborgen bleibt dem Betrachter ebenfalls, dass hier alles Maßanfertigung ist. Mehr noch: Nicht mal sämtliches Ausgangsmaterial kann vom Handel passend geliefert werden. Manche Rohre muss Paß im holländischen Wanssum biegen lassen, weil die vom Künstler gewünschte Krümmung im Handel nicht erhältlich ist. Es gibt auch Konstruktionen, bei denen – in enger Abstimmung mit dem Rehberger-Büro – vor Ort Stützen eingebaut werden müssen, damit die Statik stimmt. Die kleinen Podeste werden so gestaltet sein, dass sie nicht in die künstlerische Formgebung eingreifen, sondern ein eigenständiges Element bilden.

Hinzu kommt, dass die Einzelteile vor Ort montiert werden müssen. Selbstverständlich ohne dass Kratzer im Lack entstehen. Je nach Komplexität dauert die Fertigung einer Skulptur in der Werkstatt von Werner Paß drei Tage oder drei Wochen. Denn: „Im Grunde sind das Hightech-Produkte.“ Das gilt auch für das Management. Denn Paß arbeitet mit anderen Metallwerkstätten und Lackierereien zusammenarbeiten, muss die Arbeiten mit der Stadtverwaltung koordinieren; schließlich müssen die Objekte auf solidem Fundament stehen und im belebten Stadtraum installiert werden.

Die Skulpturen sind komplett aus Stahl – bis auf die Leuchten, die sind aus Polyethylen. Die Monde haben eine unterschiedliche Größe: Der größte hat einen Durchmesser von 1,10 Meter, ein weiterer misst ebenfalls einen Meter. Fünf Lampions haben einen Durchmesser von 80 Zentimetern, drei 60, und der kleinste Mond misst 40 Zentimeter – immer noch größer als ein Medizinball.

Werner Paß freut sich über die „wunderbare Idee des Künstlers, die wir hoffentlich wunderbar umsetzen“, die „spannende Aufgabe“ und dass er sie bewältigt hat: „Wenn man das fertige Produkt dann sieht und es ist gut geworden, das ist schon schön.“

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Das Rehberger-Projekt wird am 1. Juni um 12 Uhr an der Engelenschanze eingeweiht.

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