Philippe Blanchards Performance
Tarzan sein!

Münster -

Zwei junge Männer sitzen einander am Schreibtisch gegenüber. Der eine arbeitet am Laptop, der andere blickt nachdenklich in die leere Ausstellungshalle des Westfälischen Kunstvereins, die an diesem Abend zur Theaterbühne wird. Als müsste er den Ort des Geschehens mit allen Sinnen erkunden, fasst der Performer Lautsprecher oder Kabel an und benennt, was er sieht. Eine Wand wird zum „kontrollierbaren Element“, eine Tür zur Möglichkeit, sich in fantastisch-neue Zustände zu versetzen.

Montag, 05.05.2014, 18:05 Uhr

Die Zwillinge haben sich getarnt: Luca und Gabriele Stifani bei der Performance von Philippe Blanchard.
Die Zwillinge haben sich getarnt: Luca und Gabriele Stifani bei der Performance von Philippe Blanchard. Foto: is

„This ist that“, eine Performance des französischen Choreografen Philippe Blanchard , die in Kooperation mit dem Theater im Pumpenhaus entstanden ist, wirkt wie ein assoziatives Spiel. Mit sparsamen, aber unmissverständlichen Gesten rufen Luca und Gabriele Stifani Bilder im Zuschauer wach, die jeder mehr oder weniger gleich versteht. Die weiße, leere Halle wird so zur inneren Leinwand, auf der sich alles vorstellen lässt: Mal hängt sich einer als Tarzan an ein imaginäres Seil, mal stellen beide gemeinsam die Version eines Skiunfalls dar. Ein Querschnitt durch die Geschichte lässt in Sprechtheaterszenen Vergangenheit aufleben: Die Flower-Power-Bewegung („1969: Wir sind alle zusammen nackt“) oder den Holocaust („1942: alle deportiert“). Pfeifende Geräusche lassen an Giftgas denken, das alsbald zur Graffiti-Spraydose mutiert, was wieder neue imaginäre Räume gestaltet. Videokameras halten alles von der Seite fest, werfen die Bewegungssequenzen auf zwei Leinwände und ermöglichen so diverse Perspektiven.

Originell wirkt die mehrfache Wiederholung einer Szene, in der einer den anderen fotografiert, immer wieder dieselben Worte gebraucht und dabei doch vollkommen unterschiedliche Stimmungen generiert. Am Ende greifen beide in die Kleiderkiste, wechseln rasant die Rollen. Der eine schichtet – bis hin zum Müllbeutel – alles übereinander, der andere zieht sich aus, bis er nur noch Bermuda und Sonnenbrille trägt. Gewinner und Verlierer? Alles ist möglich. Ein assoziationsreiches, spannendes Stück, das in der Kunsthalle eine ideale Bühne gefunden hat.

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