Performances im Speicher II
Besucher wollen sogar helfen

Münster -

Einem „Sozialpalast“ macht auch schlechtes Wetter nichts aus. Der kleine weiße Wohnwagen steht am Samstag direkt vor der Tür des Atelierhauses Speicher II. Zum zehnjährigen Bestehen hatten die hier beheimateten Künstler und Gastkünstler eine Jubiläumsausstellung vorbereitet, luden in ihre Ateliers ein und nutzten auch die Flure. Etwa für eine Video-Retrospektive oder ein reines Klang-Erlebnis.

Sonntag, 11.05.2014, 17:05 Uhr

An einigen Stellen fragen sich die Gäste, ob sie hier nicht zum Handeln herausgefordert sind. Ein Vorschlag-Hammer liegt da mit der Aufschrift: „This is a hammer“, an der Wand steht: „This is a wall“. Weiter oben liegt eine Mädchenpuppe unter den Krallen eines mehr als mannshohen schwarzen Raben . Fragende halten inne, gehen vorbei. „Ich fotografiere Schaulustige ...“, antwortet ein Fotograf einer Fragerin mit einer Provokation. „...die nicht helfen.“ Da eilt eine junge Frau zu der Puppe: „Was soll ich tun?“

Wiebke Bartsch hat „Big Big of Depression“ ausgestellt. Die Arbeit sei ja schon älter, aber ihr Kollege Thomas Gerhards habe sie darauf gebracht: Er habe sich bei dem Anblick so erschrocken. „Oh, wie brutal!“, sei auch eine Reaktion der Gäste gewesen. Gerhards‘ Atelier bietet gleich zwei anderen Künstlern Raum, Petra Försters Plastiken und den kybernetischen Schattenwerfern von Thomas Bartels. Der zeigt sich sehr zufrieden mit dem Publikum. Am Freitag sei mehr versiertes, offenkundig häufiger Ausstellungen besuchendes Publikum zu ihm gekommen, am Samstag mehr Laien. Was die Raben-Mutter Bartsch anders sieht. Zufrieden ist auch sie. Ein stetiger Strom von Menschen sei an diesem Samstag gekommen, freut sich Susanne Koheil, keine Massen. So komme man eher ins Gespräch.

Gern zeigen Stefan US und Amira Hammami noch einmal ihre Performance „Buddhactions“ – hoch auf einem schmalen Podest halten sie sich an den Händen in der Balance. Am Blickkontakt im Stillen habe ihr gelegen, sagt Hammami, und am Vertrauen. Sie hatte die Anfangs-Idee. US fügte noch das Podest hinzu: Risiko als Verstärker des Vertrauens.

Initiativen aus Münster mit politischen Anliegen hatte Erik Biembacher zum Interview mit Video-Übertragung in den Sozialpalast eingeladen. Lisa Geringhoff und Leandra Praetzel von der Fossil Free Gruppe Münster nutzen die Gelegenheit, sitzen mit Biembacher als Interviewer und dem Kameramann im Wohnwagen neben zwei großen Puppen, die ihre Zunge weit herausstrecken. Das beäugt auch um 22 Uhr ein halbes Dutzend Interessierter.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2443242?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F2575595%2F2575596%2F
Hansaring wieder freigegeben
Nach Verkehrsunfall: Hansaring wieder freigegeben
Nachrichten-Ticker