„Ich werde deutsch“: Ausstellung von Maziar Moradi
Der Geschichten-Sammler

Münster -

Ein junges Paar im Auto. Er schaut brummig, hat die Arme hinter dem Kopf verschränkt. Sie blickt niedergeschlagen aus dem Seitenfenster. Es hat wohl Krach gegeben. Oder die Frau im Schlafzimmer: Die Nachricht, die sie gerade am Telefon erreicht, scheint sie aufzuwühlen, nervös zu machen.

Freitag, 16.05.2014, 18:05 Uhr

Der Chirurg im Operationssaal: Auch diese Fotografie, neben der Maziar Moradi und Dr. Barbara Rommé hier stehen, greift die Frage auf, was es heißt, deutsch zu sein, und woran sich Deutschsein in Deutschland misst.
Der Chirurg im Operationssaal: Auch diese Fotografie, neben der Maziar Moradi und Dr. Barbara Rommé hier stehen, greift die Frage auf, was es heißt, deutsch zu sein, und woran sich Deutschsein in Deutschland misst. Foto: pn

Maziar Moradi, von dem diese und 14 weitere eindrucksvolle Fotografien stammen, die die Friedrich-Hundt-Gesellschaft von diesem Sonntag an in Kooperation mit dem Stadtmuseum an der Salzstraße zeigt, kennt die Geschichten hinter diesen Aufnahmen. Es sind prägende Erlebnisse, die ihm Migrantinnen und Migranten anvertraut haben. Sie sind nicht selten die Hauptdarsteller seiner Bilder zum Thema „Ich werde deutsch“. Ihre Geschichten jedoch behält der 38-Jährige lieber für sich. Stattdessen filtert er die Emotionen heraus, die seinen Protagonisten auf den Fotografien ins Gesicht geschrieben stehen. Für den Betrachter eröffnet sich bei jedem Bild ein Kosmos an Assoziationen. Genau das will Moradi erreichen.

Die Friedrich-Hundt-Gesellschaft, so erzählt Geschäftsführerin Katharina Tiemann , wurde 2012 auf Moradi aufmerksam. Damals stellte er, neben anderen renommierten Fotografen, im NRW-Forum in Düsseldorf aus. Tiemann gefällt die „symbolhafte Bildsprache“ Moradis, die er durch Detailreichtum, Lichtführung und Komposition erzielt. Dr. Barbara Rommé wiederum, Leiterin des Stadtmuseums, betont, dass Moradis Werke „viel Zeit und Einfühlungsvermögen erfordern“. Sie müssen gelesen werden; zum schnellen Konsum sind sie nicht geeignet.

Moradi kommt von der Reportage-Fotografie. Doch statt „immer auf den entscheidenden Augenblick zu warten“, findet er es heute viel spannender, Motive zu inszenieren, die irritieren und Fragen aufwerfen. Seit 2007 verfolgt er das Projekt „Ich werde deutsch“.

Es sind Bekannte, Freunde, aber auch Fremde, die er um ihre Geschichte bittet. „Ich verwende sie als Skizzen für meine Bilder“, sagt er. Wer ihn nach seiner persönlichen „Schlüsselszene“ fragt, hört dies: „Es war der Moment, als meine Mutter mich mit elf an die Hand nahm und wir in den Flieger stiegen.“ Moradi, 1975 in Teheran geboren, wollte damals nicht fort aus dem Iran.

Er wuchs in Hamburg auf, lebt und arbeitet heute in Berlin. Moradi ist deutscher Staatsbürger. Sein Foto-Projekt trägt dennoch den Titel „Ich werde deutsch“. Weil es um jenes Quäntchen Fremdsein geht, das auch er gelegentlich noch spürt. Wenn er nach seiner Herkunft gefragt wird, „macht es heute noch kurz klick“.

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Bis 13. Juli im Stadtmuseum, Salzstraße. Eröffnung: 18. Mai, 16 Uhr. Zur Ausstellung ist ein Katalog (12 Euro) erschienen.

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