Tuğsal Moğul stellt letzten Teil seiner Krankenhaus-Trilogie im Pumpenhaus vor
Die Bürde der Angehörigen

Münster -

Hinter Milchglas sind vier Ärzte zu erkennen, versammelt um einen Operationstisch. Vereinzelt treten sie vor und berichten von Fehldiagnosen, vergeblichen Therapieversuchen und chaotischem Umgang mit Patienten. Dann reißen sie sich nacheinander die OP-Kleidung vom Leib und verwandeln sich in Angehörige der Kranken. Sechs Jahre nach dem Erstling „Halbstarke Halbgötter“ und der Inszenierung von „Somnia“ wurde nun im Pumpenhaus die Krankenhaus-Trilogie mit „Die Angehörigen“ überaus erfolgreich abgeschlossen.

Freitag, 13.06.2014, 19:06 Uhr

Angehörige – sie sind die Dritten im Bunde der Schicksalsgemeinschaft „Krankheit“. Nach Arzt und Patient widmet Tuğsal Moğul ihnen ein Stück.
Angehörige – sie sind die Dritten im Bunde der Schicksalsgemeinschaft „Krankheit“. Nach Arzt und Patient widmet Tuğsal Moğul ihnen ein Stück. Foto: Ralf Emmerich

Autor und Regisseur der Stücke und Leiter des „Theaters Operation“ ist Tuğsal Moğul, der nicht nur als Schauspieler und Dramaturg über reichlich Theatererfahrung verfügt, sondern als Anästhesist an der Raphaelsklinik ganz nah dran ist am Thema. Seine Arbeiten beruhen auf wahren Begebenheiten und vielen Gesprächen mit Betroffenen. So kommt ihnen ein stückweit dokumentarischer Charakter zu.

In „Die Angehörigen“ geht es um Menschen, die sonst kaum ins Blickfeld geraten: die Freunde und Verwandte von Schwerstkranken, die höchst unterschiedlich mit der Bürde umgehen. Der Erste (ein Drogensüchtiger) entzieht sich der Verantwortung, der Zweite erlebt die intensivsten Stunden mit seinem sterbenden Vater, die Dritte setzt sich mit der störrischen Mutter auseinander, die Vierte schwankt zwischen Egoismus und Altruismus.

Das Stück, das nahezu ohne Dialoge und dramatische Konfliktentwicklung auskommt, breitet sich über Schilderungen der vier Protagonisten (Carmen Dalfogo, Bettina Lamprecht , Stefan Otteni und Dietmar Pröll) aus, die abwechselnd aus der Retrospektive erzählt werden und so ineinandergreifen. Das Ganze wird nicht ausschließlich todernst vorgetragen, sondern entwickelt stellenweise einen überraschenden Unterhaltungswert.

Die Akteure reden meist frei Schnauze, weshalb ein paar Textwackler nur sympathisch wirken. Thematische Übergänge werden elegant geleistet durch kleine Lieder oder Gedichte und den Einbau von Literaturzitaten. An zentraler Stelle rezitiert der plötzlich selbst betroffene Otteni das Großmuttermärchen aus Büchners „Woyzeck“. Die Welt wird zum „umgestürzten Hafen“, nicht für den Sterbenden, der es „geschafft“ hat, aber für seinen kleinen Sohn, den er vater- und mutterlos und damit heimatlos zurücklässt. Nachdenkliche, sehenswerte 70 Minuten.

Zum Thema

Weitere Aufführungen am Samstag und Sonntag (14. und 15. Juni) sowie vom 18. bis 21. Juni jeweils um 19 Uhr im Pumpenhaus, Gartenstraße 123. Karten im WN-Ticket-Shop oder ✆ 23 34 43.

...
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2521471?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F2575595%2F4848605%2F
Mickie Krause geht baden
Als Anwärter auf den Cheftrainer-Posten bei den Kaderschwimmern der SG Schwimmen Münster machte Schlagersänger Mickie Krause im Hallenbad Hiltrup eine gute Figur. Zum Finale ging es mit Sonnenbrille und guter Laune ins knapp 30 Grad warme Wasser.
Nachrichten-Ticker