Junges Theater führt die Allerkleinsten lustvoll zur Malerei
Wie ein Mund die Füße küsst

Münster -

Ein Schauspieler sitzt vor einer weißen Plexiglasscheibe und bringt auf geradezu magische Weise Formen hervor. Eine leise Andeutung mit Fingern oder Zehen genügt, und es entstehen blaue Blumen. Drum herum bildet sich ein Fisch, aus dem wiederum ein Hahn wird. Spätestens als hinter der Scheibe eine winkende Hand auftaucht, wird klar, dass wir es hier nicht mit Zauberei zu tun haben, und doch vermitteln Maike Wehmeier und Manuel Herwig etwas von der Faszination, die der Malerei innewohnt.

Montag, 16.06.2014, 18:06 Uhr

Wie aus dem Gesicht geschnitten (v. l.): Manuel Herwig und Maike Wehmeier spielen Malerei.
Wie aus dem Gesicht geschnitten (v. l.): Manuel Herwig und Maike Wehmeier spielen Malerei. Foto: Oliver Berg

Das Stück „oOPICAsSOo“ für die Allerkleinsten (ab zwei Jahren) wurde als interdisziplinäres Ensembleprojekt und in Kooperation mit dem Kunstmuseum Pablo Picasso im U2 uraufgeführt. Regisseurin Julia Dina Heße gelingt in Zusammenarbeit mit Musiker Jonas Nondorf und den beiden Spielern ein Kinderstück, das auf lustvolle Weise mit Geräuschen, Musik und Bildern zur Malerei führt und darüber hinaus einen Eindruck von Pablo Picassos kubistischer Kunst vermittelt.

Dazu passt Kristopher Kempfs geometrische Bühne aus Würfeln und Quadern ebenso wie die abstrahierte Darstellung von Gesichtern oder Formen; hier und da taucht auch ein Stier auf. Gesprochen wird kaum in diesem 50-minütigen Stück, und wenn, dann sind es, inspiriert von Picassos Herkunft, Worte auf Spanisch, Französisch oder Arabisch. Den Sinn verstehen die Kinder dennoch in diesem einnehmenden Schauspiel des Duos, dem die Malerei durch den ganzen Körper geht, wenn sie dabei tanzen oder mit ihren Farbgläsern schöne Melodien erzeugen.

Mal wird es laut und lustig, mal leise und kontemplativ: Julia Dina Heße erzeugt diverse Stimmungen, die die Aufmerksamkeit der Kleinen über die doch recht lange Zeit fesseln. Mit Hingabe füllen die Spieler Wasser in Krüge und Gläser, spritzen Farben in Behälter, mischen sie zu neuen Tönen und zelebrieren so vor jedem künstlerischen Akt ein kleines, kostbares Ritual. Witzige Szenen gelingen, wenn Herwig einen roten Mund auf ein Stück Papier malt und, laut küssend, seinen nackten Fuß bedruckt. Oder wenn er seine Mitspielerin portraitiert – mit besonders großer Nase. Als die Kinder am Ende selbst auf der Bühne malen dürfen, ist kein Halten mehr. Ein größeres Kompliment gibt es wohl kaum.

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Die nächsten Termine finden im Picassomuseum, Königsstraße, statt am 29. Juni und 1. Juli. Weitere Termine sind am 17. und 18. September. Karten: ✆ 5 90 91 00.

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