Würze durch die weiße Frau
Hélène Grimaud begeistert mit Münchens Elite-Orchester

Dortmund -

Wenn ganze Heerscharen schwarz befrackter Menschen die Bühne bevölkern, löst das Erscheinen einer weiß gekleideten Schönheit natürlich ein Raunen im Publikum aus. Hélène Grimaud im Dortmunder Konzerthaus: Das war ein besonderes Bonbon beim Sinfoniekonzert am Fronleichnamstag.

Freitag, 20.06.2014, 18:06 Uhr

Yannick Nézet-Séguin und Hélène Grimaud spielten nach dem Applaus eine gemeinsame Zugabe.
Yannick Nézet-Séguin und Hélène Grimaud spielten nach dem Applaus eine gemeinsame Zugabe. Foto: Ursula Kaufmann

Denn die Pianistin aus Aix-en-Provence sorgte mit dem Klavierkonzert von Maurice Ravel für die notwendige Würze in einem ansonsten romantisch-schwelgerischen Programm. Die kecken Schlagzeugeffekte des Orchesterparts, vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks gepfeffert serviert, wurden in den Rahmensätzen von ihrem quirlig-perkussiven Spiel perfekt ergänzt. Und das Adagio gelang so traumverloren schön, weil die solistischen Holzbläser des Elite-Orchesters mit der Anschlags-Raffinesse Hélène Grimauds zu wetteifern schienen. Eine passende Zugabe krönte die französische Charme-Offensive: Die Pianistin und Dirigent Yannick Nézet-Séguin spielten gemeinsam das „Feengarten“-Finale aus Ravels vierhändiger Suite „Ma mère l’oye“.

Nézet-Séguin, das Kraftwerk am Pult, ist ein Liebling des Publikums und der großen Orchester. In Dortmund setzte er ganz auf den Luxussound der Bayern und erfreute gleich zu Beginn des Abends mit einer in mächtigen Wellen dahinfließenden „Moldau“ – Smetanas Musikunterricht-Klassiker taucht ja viel seltener auf den Spielplänen auf, als seine Popularität es vermuten lässt.

Auch Schumanns „Rheinische“ ist ein solcher Romantik-Hit, auch bei ihm setzte der Dirigent ganz auf den wuchtig-satten Klang – anders als bei seiner stärker akzentuierten Einspielung mit dem Chamber Orchestra of Europe. An diesem Abend und mit diesem Orchester jedoch war ihm nicht an nervösem Beben der Nebenstimmen oder Widerständen gelegen: Hier breitete sich wonnevoll die rheinische Lebensfreude aus, und für die feierliche Dom-Zeremonie des vierten Satzes waren die bayerischen Blechbläser erste Wahl. Die Musiker durften zeigen, was sie draufhaben – und dankten es dem Dirigenten ebenso deutlich wie das begeisternd applaudierende Publikum. 

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