Junges Sinfonieorchester gab umjubeltes Abschlusskonzert in der Aasee-Aula
Abschied und Aufbruch

Münster -

Kontinuität und Gleichmaß sind nicht die Termini, mit denen sich das Semesterabschlusskonzert der Jungen Sinfoniker der Universität zutreffend charakterisieren ließe. Im Gegenteil: Es ging um zwischenmenschliche Brüche, epochale Umwälzungen und wechselhafte Stimmungen. Unter dem Titel „Sommerdämmerung“ hatte Dirigent Bastian Heymel mit dem studentischen Orchester ein ebenso schwieriges wie kontrastreiches Programm einstudiert.

Freitag, 11.07.2014, 18:07 Uhr

Nur zum Auftakt griff das Junge Sinfonieorchester in Faurés „Pavane für Orchester“ auf ein populäres Werk mit eingängiger Melodie zurück, das sich als melancholischer Abschied vom 19. Jahrhundert beschreiben lässt. Es folgte der durch unterschiedliche, höchst divergente Gefühlslagen geprägte Liederzyklus „Les ­Nuits d’Eté“ für Solostimme und Orchester von Berlioz sowie – nach der Pause – die kontrovers diskutierte zwölfte Sinfonie von Schostakowitsch, die den Titel „Das Jahr 1917“ trägt und „dem Gedenken an Wladimir Iljitsch Lenin gewidmet“ ist.

Nach dem spielerisch lockeren Beginn mit der „Pavane“, die ihr Schöpfer als elegant, aber „ohne spezielle Wichtigkeit“ einstufte, wurde es zunächst romantisch. Im ersten der sechs Lieder von Berlioz (Text von Théophile Gautier) werden stimmungsvolle Naturbilder ausgebreitet, die wie traurige Erinnerungen an schönere Tage klingen. Doch dann ändert sich die Emotionslage bedeutend: Vergebliches Begehren, Abschied, Gleichgültigkeit und Tod treten ins Bewusstsein. Diese Mischung unterschiedlichster Befindlichkeiten brachte die hinreißende Gastsängerin Lisa Wedekind (Mezzosopran) vom Theater Münster in höchst ergreifender Weise zum Ausdruck.

Gegen den Strich einer einseitigen Lesart hatte Orchesterleiter Heymel die Zwölfte von Schostakowitsch gebürstet. Das auf über 70 Musiker aufgestockte studentische Orchester überzeugte beim fast episch wirkenden Kopfsatz, ließ den annähernd kontemplativen Charakter des Folgesatz aufscheinen und deutete gegen Ende des vierten Satzes die Schlussreprise nicht als Apotheose des politischen Systems, wie es die russischen Machthaber 1961 bei der Uraufführung gerne lasen und den Komponisten in die Partei der KPdSU aufnahmen, sondern in wuchtigem Spiel als sinnentleerte Formel und pure Ironie einer Glorifizierung.

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