Theater im Kleinen Bühnenboden
Wenn Sehnsucht tödlich endet

Münster -

Putzig ist das junge Paar, das sich da im Münchner Tiergarten kennenlernt. Tapsig und schwärmerisch entspinnt sich ein Flirt – der ruckzuck zum Eheversprechen und dem Schwur ewiger Liebe führt. Doch der naiven Blondine namens Julia (Anna Janhsen) reicht das nicht. „Eine Liebe über die Maßen, für die man sterben will!“ Dem zaghaften Jüngling (Florian Buchholz) wird’s angst und bange. Am Ende schluckt Julia Gift – wie Shakespeares Julia.

Sonntag, 13.07.2014, 18:07 Uhr

„Zieh, Django!“, ruft die coole, zynische Frau in der Bar (Annette Walbaum), die sterben will. Da lässt sich Heinrich Blaubart (Florian Buchholz) nicht lange bitten.
„Zieh, Django!“, ruft die coole, zynische Frau in der Bar (Annette Walbaum), die sterben will. Da lässt sich Heinrich Blaubart (Florian Buchholz) nicht lange bitten. Foto: zin

„Sehnsucht kann tödlich sein“ lautet die Moral der diversen Szenen, die im Kleinen Bühnenboden mit Begeisterung aufgenommen wurden. Der Tod ereilt die fünf Frauen in diesem Stück fast alle. Genau wie im Märchen vom „Ritter Blaubart “, das aus Frankreich stammt und auch bei Grimms Märchen auftaucht. Blaubart – der seinen Frauen jeweils verbot, eine bestimmte Kammer zu öffnen, und sie bei Ungehorsam tötete – wird bei der Autorin Dea Loher zum Frauenmörder Heinrich Blaubart. Ein emotional gestörter Wicht, der Damenschuhe verkauft; wie die Comedy-Figur Al Bundy, die wiederum so heißt wie der amerikanische Frauenmörder Ted Bundy. Der Aschenbrödel-Hinweis ist auch nicht zu übersehen.

Die vielen Bezüge, welche Loher herstellt, sind recht raffiniert. Aber man merkt dem Text an, dass er 1997 aus Workshop-Ideen destilliert wurde. Was insgesamt als Klischee-Parade weiblicher Sehnsüchte und männlicher Gefühlskälte daherkommt, ist im Detail oft stark. Da ist zum Beispiel das blinde Mädchen, das unter seiner Jungfräulichkeit so leidet wie unter der Dunkelheit. Die Sehnsucht drängt zu Heinrich Blaubarts Stimme und Duft. Bei Katharina Klapdors intensivem Spiel hält der fast Sauna-heiße Bühnenboden den Atem an.

Für Regisseurin Alice Mortsch ist das emotionale Geflecht aus Liebe und Tod willkommener Anlass, ihrem engagierten, toll aufgelegten Laien-Ensemble Raum zu geben. Der ausgiebig genutzt wird: Da ist die zynisch-coole Frau in der Bar, die eigentlich nur sterben will („Spar dir das Geld und erschieß mich endlich!“, ruft Annette Walbaum). Da ist die gelangweilte Hausfrau, die einen aufregenden Schwerverbrecher sucht. Da ist die desillusionierte Hure (Heide Endress), die nach Jahrzehnten im Rotlicht beim Blaubart plötzlich auftaut und auch einen „Festen“ haben will. Gerade vor dieser Nähe aber fürchtet Blaubart sich – und einmal mehr endet Sehnsucht tödlich.

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