Regisseur der Erfolgskomödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ im Schlosstheater
Misstöne nur aus den Ecken

Münster -

So stellt man sich einen lässigen Franzosen vor. Regisseur Philipp de Chauveron kommt in Jeans und kurzärmeligem Hemd, bestellt sich ein gutes Glas Weißwein, zündet sich eine Filterlose an und plaudert locker über seinen Film „Monsieur Claude und seine Töchter“, der in Frankreich in drei Monaten über elf Millionen Zuschauer in die Kinos lockte und schon jetzt in den Top Ten der ewigen Bestenliste steht.

Samstag, 26.07.2014, 08:07 Uhr

Total glücklich mache ihn der Erfolg, erzählt er, zumal die Schauspieler dieser Komödie in Frankreich bisher nicht zu den großen Stars gehörten. Aber auch in anderen frankophonen Ländern zeige sich, dass der Streifen Potenzial habe, Publikumsmassen zu bewegen. In Belgien etwa, der Schweiz oder Kanada. In 17 weitere Länder sei der Film schon verkauft worden.

Am Donnerstag lief er in 220 deutschen Kinos an. Bei einem seiner wenigen Werbetermine in Deutschland machte Chauveron nun Halt in Münster und zeigte sich zuversichtlich, dass „Monsieur Claude“ auch hierzulande gut ankommen werde. Die Kritiker in Deutschland seien ja sehr mild, meinte der Filmemacher und Drehbuchschreiber. In Frankreich wären sie viel schärfer.

Dennoch konnte er bestätigen, dass der Film nicht nur beim Publikum dort, sondern auch von der Kritik sehr gelobt wurde. Nur aus sehr rechter oder sehr linker politischer Ecke gab es Misstöne . Dass man dem Film vereinzelt vorwerfe, ein Rassismusproblem zu haben, wie das etwa eine Rezension auf Zeit.online tue, stimme ihn traurig: „Dabei ist der Film eine Hommage an alle Nationalitäten; mit dem Film will ich für mehr Toleranz werben.“

Nie habe er so viel Spaß beim Dreh gehabt wie diesmal, berichtet Chauveron. Die Darsteller hätten ihre persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Klischees in ihre Rolle eingebracht, mit dem der Film spiele. Das habe viel Anlass zum Lachen gegeben. Regelrechte Freundschaften seien zwischen den Schauspielern entstanden.

Der Stoff für den Film, in dem die vier schönen Töchter von Monsieur Claude allesamt einen Mann mit Migrationshintergrund zur Hochzeit erwählen, habe praktisch auf der Straße gelegen. „Jede fünfte Ehe in Frankreich ist eine Mischehe“, so Chauveron. So viele wie nirgendwo sonst. „Darin sind wir Weltmeister“, schmunzelt er. Ob in Anspielung auf die Fußball-WM , ließ sich nicht mit Bestimmtheit heraushören.

In „Monsieur Claude und seine Töchter“ heiraten die Sprösslinge einen Muslimen, einen Juden und einen Chinesen, als die Jüngste ankündigt, einen Katholiken zu heiraten, atmet das konservative Ehepaar kurzzeitig durch. Bis sie ihren letzten Schwiegersohn in spe sehen. Er ist ein Farbiger.

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