Ein kleiner Ton klang nicht mit
Michael Hedley brilliert im Orgelsommer

Münster -

Da hatte die Schuke-Orgel in St. Lamberti am Samstag doch ein Schräubchen locker! Ganz buchstäblich. Mit der Folge, dass ein Ton im mittleren Tastenbereich des Schwellwerks stumm blieb. Das kann mal vorkommen – und wäre mit passendem Werkzeug zu beheben gewesen. Aber Gastorganist Michael Hedley musste ohne dieses eingestrichene „b“ auskommen, was bei dem prächtig und feierlich angelegten „Grand Dialogue“ von Louis Marchand ebenso zu verschmerzen war wie im überbordend sprudelnden „Concerto“ von Antonio Vivaldi. Ganz schön hurtig, wie Hedley da über die Tasten fegte. Und dies ohne Fehl und Tadel.

Sonntag, 17.08.2014, 18:08 Uhr

Michael Hedley an der Schuke-Orgel.
Michael Hedley an der Schuke-Orgel. Foto: cws

Stiller wurde es in der anrührenden „Traurigen Pavane“ von Thomas Tomkins. Kein Wunder, schließlich galt es, die Enthauptung König Charles I. und die wirren politischen Zeitläufte um 1649 zu beklagen. Ob auch Joseph Guy Ropartz einen konkreten Anlass hatte, sein „Prélude funèbre“ zu schreiben, ist nicht bekannt. Hedley ließ es mit dunklen Farben und großem emotionalen Ausdruck durch den Raum schweben, bis hin zum hoffnungsvollen Ende, das dem zuständigen Orgelregister vorbehalten blieb, der Voix céleste, der Himmelsstimme. Davon, dass Ropartz sein Handwerk bei César Franck gelernt hatte, kündete die a-Moll-Fantasie. Der Lehrmeister stand hörbar Pate, wenngleich das Werk des Schülers etwas ausufernd wirkte.

Ganz andere Töne dann mit Karl Höllers Passacaglia über das Abendlied „Die Sonn’ hat sich mit ihrem Glanz gewendet“. Höllers musikalische Sprache, gar nicht so trocken wie die vieler seiner Kollegen in den 1950er Jahren, hat Michael Hedley sehr schön auf der Schuke-Orgel formuliert. Und als dann um neun die Türmerin ihr Hornsignal ertönen ließ, passte das fast perfekt: „Auf dass ich vor der List und Tyrannei der argen Welt im Schlafen sicher sei“, heißt es im Liedtext.

Zum Schluss von Hedleys spannendem Programm ein akustischer Vulkanausbruch, ausgelöst von Charles Tournemire und dessen „Te Deum“-Improvisation. So muss es damals, als Tournemire in Ste. Clotilde in Paris des Sonntags georgelt hat, häufig geklungen haben.

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