Olga Pona zeigt im Pumpenhaus starke Frauen
Stolz, schön und schutzbedürftig

Münster -

Sieben weiß gekleidete Frauen finden sich im Tanz der Gegensätze. Mal schleifen sie einander über den Boden, mal halten sie sich gegenseitig fest. Wenn eine fremde Kraft sie fortzieht, sich die Glieder zerdehnen, scheint sie nichts voneinander trennen zu können.

Freitag, 05.09.2014, 07:09 Uhr

„A place to hide“ ist der Titel von Olga Ponas Uraufführung, mit der das Pumpenhaus die aktuelle Spielzeit eröffnete. Es geht um die starke Frau, die selbst Schutz bräuchte, ihn aber nicht findet. Stolz und schön wirken die Tänzerinnen in der Choreographie des fließenden Übergangs, mal zerbrechlich und leise, mal dynamisch und energiegeladen. Nach und nach werden sie wie auf einem Fließband abtransportiert und sind am Ende doch wieder vereint. Zusammengedrängt wie in einem Türrahmen pulsiert das Leben ein letztes Mal, bevor die Dunkelheit sie verschluckt.

Olga Pona, Pionierin des zeitgenössischen Tanzes im fernen Chelyabinsk ( Südural ), hat sich international längst einen Namen gemacht und ist in Münster eine gern gesehene Größe. Unverkennbar ihre Soundkulisse aus hohen, schneidenden Tönen, passend zur abstrakten Choreographie, deren Ästhetik immer auch etwas Schmerzhaftes hat.

Einen reizvollen Gegenpart bildete das zweite Stück des Abends, „Kiss me twice“. Die beiden Tänzer-Choreographen, Elena Prishvitsyna und Vladislav Morosov (Ensemblemitglieder aus Olga Ponas „Contemporary Dance Theatre“) bringen Momente einer Liebesbeziehung auf die Bühne. Aggressiv und hingebungsvoll wirkt die Auseinandersetzung dieser sympathischen Figuren, denen es mit zwei großen Säcken und einer biegsamen Stehlampe gelingt, Wohnzimmeratmosphäre zu verbreiten. Humorvoll setzt sich das Duo mit stereotypen Geschlechterrollen auseinander, etwa, wenn sich die Frau mehr für ihre gold-glitzernden High-Heels interessiert als für den Partner, dem nichts weiter bleibt, als seiner Dame hinterherzulaufen.

Choreographisch überzeugen die versierten Tänzer durch exaktes Timing, rasante Dynamik und originelle Inszenierung. Mal stehen sie im Schatten eines rotierenden Lichtkegels wie Figuren auf einer Spieluhr, mal gelingen faszinierende Drehmomente auf einem umgekippten Stuhl. Gern hätte man mehr gesehen – großer Applaus.

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