Eindrucksvoller israelischer Tanz „Shop of fools“ im Pumpenhaus
Ein Schiffchen voller Narren in schweren Gewässern

Münster -

Eine kräftige Ballerina steht in weißer Unterwäsche im Pumpenhaus und scheucht zwei Tänzerkollegen hin und her. Mal sollen sie den Fuß der Künstlerin in Form strecken, mal ihre Beine dehnen. Als sie die egozentrische Diva zu zweit in die Höhe wuchten und über die Bühne schleppen, ist die Komödie perfekt.

Samstag, 06.09.2014, 07:09 Uhr

Eine Gitarre als Waffen: Die Choreographie „Ship of fools“ aus Israel thematisiert Kultur und Krieg.
Eine Gitarre als Waffen: Die Choreographie „Ship of fools“ aus Israel thematisiert Kultur und Krieg. Foto: Pumpenhaus

„Ship of Fools“ der beiden israelischen Choreographen Niv Sheinfeld und Oren Laor ist inspiriert durch Sebastian Brants mittelalterliche Dichtung, „Das Narrenschiff“: Menschen, die von der Norm abweichen, segeln der Gesellschaft davon, ins Paradies der Narren. Das Choreographenduo nimmt sein Publikum mit auf eine ähnliche Reise, doch was harmlos und witzig beginnt, birgt tiefen Ernst, denn der Grad zwischen Komik und Tragik ist schmal.

Am Anfang tänzeln alle über die Bühne: Sascha Engel joggt auf der Stelle, Uri Shafir beeindruckt durch quirligen, zeitgenössischen Tanz, Anat Grigorio dekliniert klassische Ballettbewegungen. Alles läuft aus dem Ruder als Sascha Engel Michael Jackson parodiert und ihm dabei das Stirnband über die Augen rutscht. Plötzlich kniet er auf der Bühne, die Hände auf den Rücken gebunden, und bittet leise um Freiheit, während Shafir ihn ungerührt fotografiert. Ein Moment, der wohl nicht von ungefähr an Folter und Krieg erinnert.

In einer anderen Szene entspinnt sich plötzlich ein grotesker Zweikampf: Mit zappeligen Gesten zielt der eine mit dem Finger auf den anderen, der, irritiert von so viel Unentschlossenheit, kurzerhand einen Selbstmord imitiert. Wie eine absurde Choreographie wirkt diese Sequenz, dass der Gitarre spielende Uri Shafir seinem Publikum anschließend ein rührseliges Freundschaftslied beibringt, steigert die ironische Distanz nur noch mehr.

Kein Wunder, dass Zuschauer lachen, als Uri Shafir mit großem Getöse seine eigene Beerdigung inszeniert. Umso beklemmender die anschließende Reaktion, wenn der Darsteller mit dem Gitarrenhals auf sein Publikum zielt, um sich zu rächen und das ausdrucksstarke Trio, in Tränen aufgelöst, hilflos auf der Bühne sitzt. Freundschaft und Frieden, scheinen sie sagen zu wollen, sind doch nur schöne Utopie.

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