Schöpfungsoratorium von Jutta Bitsch in der Kreuzkirche wird kritisch und politisch
Kein Haydn 2.0

Münster -

„Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde“. Und am Ende hat sie der Mensch zerstört? Soweit soll es nicht kommen. Das „Institut für Theologische Zoologie“ der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Kapuziner hat zu seinem fünfjährigen Bestehen ein Schöpfungsoratorium in Auftrag gegeben. Jutta Bitsch hat es komponiert, und es wird kein ungetrübter Jubel auf den Schöpfer werden, schon eher eine Mahnung an eine seiner Kreaturen: den Menschen.

Dienstag, 09.09.2014, 09:09 Uhr

Neue Töne für die Schöpfung (v. l.): Dorothea Raspe (Canticum novum), Michael Schmutte (Dirigent), Dr. Rainer Hagencord (Institut für Theologische Zoologie) und Jutta Bitsch (Komponistin)
Neue Töne für die Schöpfung (v. l.): Dorothea Raspe (Canticum novum), Michael Schmutte (Dirigent), Dr. Rainer Hagencord (Institut für Theologische Zoologie) und Jutta Bitsch (Komponistin) Foto: Gerhard H. Kock

Ein zweites Haydn-Oratorium wäre „heute zynisch“, befindet Dr. Rainer Hagencord . Der Priester und Institutsleiter hat kommentierende Aphorismen zu den Texten (Psalm 104, Rainer Maria Rilke, Fridolin Stier und die Vision bei Jesaja 11) beigesteuert. „Wir wollen in einem gute Sinne provozieren.“ Die Menschen müssten zur Kenntnis nehmen, dass sie verwandt sind mit allem, was lebt. „Tiere sind unsere Geschwister“. Aber: „Jeden Tag werden zehn Tier- und Pflanzenarten ausgerottet und in der industriellen Tierhaltung Schweine, Puten, Kühe und Hühner zu Rohlingen der Fleisch-, Eier- und Milchproduktion degradiert.“

Das Schöpfungsoratorium „Mit allen Augen“ (aus der 8. Duineser Elegie von Rilke: „Mit allen Augen sieht die Kreatur das Offene. Nur unsre Augen sind wie umgekehrt.“) soll eine „Zeit-Diagnose“, eine politische Veranstaltung werden. Entsprechend wird die Musik sein, mit Reibungen in den Klangschichten. Jutta Bitsch will in der Komposition auf der einen Seite ihren Respekt vor der Gregorianik zeigen und auf der anderen Seite mit experimentellen Elementen in Kontrast bringen. Trotz der desillusionierenden Diagnose werde aber auch Urvertrauen zum Ausdruck gebracht: „Für mich ist es ein zuversichtliches Werk.“

Zuversichtlich ist auch Michael Schmutte, der mit seinem Chor „ canticum novum “ sowie der Neuen Philharmonie Westfalen das Oratorium umsetzen wird: „Am Anfang war ich beeindruckt. Jetzt bin ich begeistert.“ Die komplizierten Rhythmen seien schwierig, aber: „Es lässt sich schön singen.“ Als Solisten treten Andrea Lauren Brown (Sopran), Georg Gädker (Bariton) und Gerald A. Manig (Sprecher) auf.

Und so hofft Hagencord auf einen Bewusstseinswandel: „Was wäre sonst ein Glaube an Gott – als den Liebhaber des Lebens – wert?“

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Das Jubiläumsprogramm „5 Jahre Theologische Zoologie“ startet am Freitag (12. September) um 19 Uhr mit einer Publikumsdiskussionin der Aula der KSHG; Frauenstraße 3-6. Die Uraufführung des Schöpfungsoratoriums ist am 28. September um 18 Uhr in der Kreuzkirche, Hoyastraße. Eintritt frei.

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