Chikako Kaido stellte im Pumpenhaus „Home Hazard“ vor
Tanzen geht unter die Haut

Münster -

Silbrig glänzende Metallstangen liegen auf dem Boden. Zwei schiefe Rechtecke, sich überlappend. In diesen Rechtecken ruhen regungslos vier Tänzer (Antonio Stella, Jascha Viehstädt, Signe Koefoed, Roberto Zuniga) in tiefer Stille. Ein Bild wie aus dem Märchenbuch – vier verwunschene Gestalten in 100-jährigem Schlaf. Im Pumpenhaus wurde am Sonntag die Uraufführung von Chikako Kaidos „Home Hazard“ gegeben – ein ausdrucksstarkes, spannendes Stück Tanztheater.

Dienstag, 16.09.2014, 06:09 Uhr

Skurriler Sound vom Staubsauger unterbricht die Stille im Pumpenhaus.
Skurriler Sound vom Staubsauger unterbricht die Stille im Pumpenhaus. Foto: heh

Außer den vier Tänzern, viel Stille, ein bisschen Lichtregie und Sounds vom Zuspielband wurde ein Staubsauger-Sound benötigt. Ein bisschen Klamauk im ansonsten tiefschwarzen, unter die Haut gehenden Treiben.

Ein Satz aus Beethovens „Missa Solemnis“ sorgte gegen Ende für Gänsehaut, denn Choreographin Kaido hatte ihn dramaturgisch geschickt ins Tanztheater eingewoben.

Aus einem sanften Summen der Tänzer entwickelten sich polyphone Vokalisen, von Sopran bis Bass besetzt (tatsächlich war mit Signe Koefoed eine Dame im Quartett), immer lauter werdend. Dabei lagen die Vier bewegungslos auf einem wohl geordneten Haufen, Menschenleiber drapiert wie Teppiche, und so wirkte diese Szene umso ergreifender. Nach einer Phase der Bewegung schauten alle Tänzer gemeinsam mit weit aufgerissenen Augen ins Publikum, die Hände nach oben gestreckt: ein Gruppenfoto zwischen Entsetzen und aufgesetzter Theatralik.

Mit Hilfe der Seile an den Metallstangen ließen sich die Rechtecke zu einem merkwürdig schiefen, schwebenden Würfel hochziehen. Vor dem schwarzen Bühnenhintergrund silbrig glänzend, dominierte er die Bühne und ließ die Tänzer erbärmlich klein darunter erscheinen. Die vielen Szenen dieses Stücks, die eher Emotionen als Handlung vermittelten, bildeten ein sich organisch fortsetzendes Ganzes, eine sehr gelungene Choreographie aus einem Guss. Spürbar viel Erschrecken und Trauer hat die junge Choreographin in dieses Stück gepackt, zu dem sie durch die Reaktorkatastrophe von Fukushima inspiriert wurde. Spannend bis zur letzten Sekunde, sicher getanzt – belohnt mit viel Beifall.

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