„Cocktail für eine Leiche“ von Hitchcock im Pumpenhaus
Theaterstück ohne Schnitt

Münster -

Mit seinem ersten Farbfilm wollte der Meister der Spannung ein Kino-Experiment wagen. Alfred Hitchcock hat beim „Cocktail für eine Leiche“ den Eindruck erweckt, er hätte den Film in nur einer Kameraeinstellung gedreht. Ganz ohne Schnitt – alles passiert in Echtzeit und in nur einem Raum. Im Pumpenhaus wird der „Cocktail für eine Leiche“ neu gemixt. Wieder ohne Schnitt.

Donnerstag, 18.09.2014, 06:09 Uhr

Die Party beginnt mit einem Mord: Die beiden Harvard-Studenten Brandon und Granno erdrosseln in ihrem Apartment ihren Studienkollegen. Einfach, weil sie es können, weil sie sich überlegen fühlen. Der „Cocktail für einen Leiche“ ist seit Alfred Hitchcocks Verfilmung zum Klassiker geworden.
Die Party beginnt mit einem Mord: Die beiden Harvard-Studenten Brandon und Granno erdrosseln in ihrem Apartment ihren Studienkollegen. Einfach, weil sie es können, weil sie sich überlegen fühlen. Der „Cocktail für einen Leiche“ ist seit Alfred Hitchcocks Verfilmung zum Klassiker geworden. Foto: Pumpenhaus

Denn das Stück verzichtet auf eine Pause. In dem 1929 uraufgeführten Theaterstück von Patrick Hamilton dauert es fast zwei Stunden, bis den beiden Mördern aus der Upper Class die Stunde schlägt. Die Theaterproduktion von „Hartmann und Konsorten“ hat den Text modernisiert und will es in 90 Minuten schaffen. Schlichtweg durch die Art, wie gespielt wird: Anstatt jeden Satz genüsslich auszustellen, wird der Text im zeitgenössischen Duktus aufgeführt. Flotter eben, mit Esprit.

„Im Laufe der Proben stellte sich heraus: Wenn man diesen Text vom Blatt spielt, würde das unfreiwillige Lacher produzieren“, erklärt Johannes Fundermann . Trotzdem verweist das Regie-Duo mit Milena Weber energisch auf die Aktualität des Stoffes. Zwei Studenten aus der Oberschicht erdrosseln ihren Mitbewohner, packen ihn in eine Kiste, und feiern einen Party. Die ahnungslosen Gäste wissen nicht, dass im Raum einen Leiche liegt. Es entspinnt sich ein makabres Kammerspiel zwischen Lust und Bedürfnis, Sadismus und Voyeurismus.

Ist das nicht sogar ein politisches Lustspiel? „Das Theaterstück hat schon 1929 die Herrenmenschen-Ideologie vorweggenommen“, sagt der Dramaturg Dirk Spelsberg . Die bourgeoisen Musterexemplare Brandon und Granno morden nicht aus Not oder mit einem Motiv, sondern „weil sie es können“, weil sie es für Kunst halten. und sich überlegen fühlen. Hybris.

„Immer wenn Unmenschlichkeit verhandelt wird, ist ein Stück aktuell“, da ist sich Produzent und Schauspieler Pitt Hartmann sicher. „Es fliegen Funken, die man gar nicht erwartet hatte“, verspricht Spelsberg. Auf einmal ergeben sich zeitgenössische Bezüge – so hofft es das achtköpfige Ensemble und legt trotzdem viel Wert auf Leichtfüßigkeit. Der Boulevard-Charakter des Originalstückes soll erhalten bleiben. Vom Regie-Theater halten die Macher wenig. Sie wollen ein Theater für das Publikum. „Wir wollen erzählen“, sagt Fundermann.

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Premiere ist am 25. September (Donnerstag) um 20 Uhr. Weitere Termine am 26., 27. und 28. September. Infos und Karten im WN-Ticketshop oder unter ✆ 233443 im Pumpenhaus.

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