Cocktail für eine Leiche“ von Hartmann & Konsorten
Party auf der Tiefkühltruhe

Münster -

Der Todeskampf zieht sich quälend in die Länge. Liegt es an körperlicher Schwäche, oder ist es die gemeine Lust am Töten, die das Strangulieren dieses armen Mannes so langwierig macht? Man weiß es nicht. Sicher ist nur, dass Brandon und Granno den Mord an ihrem ehemaligen Mitbewohner ohne nachvollziehbares Motiv begehen. Auslöser ist wohl der perfide Reiz des Verbotenen, die „Lust am Abenteuer und der Gefahr“, wie Brandon am Ende des Stücks sagen wird.

Montag, 29.09.2014, 18:09 Uhr

So eine Tiefkühltruhe ist ein guter Platz, um dort Getränke für eine Party zu deponieren. Doch was, wenn die Tiefkühltruhe auch der Aufbewahrungsort für eine Leiche ist?
So eine Tiefkühltruhe ist ein guter Platz, um dort Getränke für eine Party zu deponieren. Doch was, wenn die Tiefkühltruhe auch der Aufbewahrungsort für eine Leiche ist? Foto: Pumpenhaus

Grotesk ist eine solche Erklärung. Das mag sich auch das Regie-Duo, Johannes Fundermann und Milena Weber , gedacht haben. Und flugs wurde aus Patrick Hamiltons Krimi-Klassiker die schwarze Komödie „Cocktail für eine Leiche “, die im Pumpenhaus für zahlreiche Lacher sorgte.

Denn um noch eins draufzusetzen, laden die beiden Mörder in der Produktion des Theaterlabels „Hartmann & Konsorten“ direkt im Anschluss Freunde und Bekannte zu einer Party ein. Für Brandon kann der Nervenkitzel nicht groß genug sein, Granno macht es dagegen schier wahnsinnig, dass das Buffet auf derselben Kühltruhe angerichtet ist, in der auch der Tote liegt.

Als die Gäste da sind und sich mit wachsender Begeisterung an der überdimensionierten Alkohol-Theke bedienen, eskaliert das Geschehen: Am Ende sind fast alle betrunken, nur Schriftsteller Rupert ahnt, dass mit Brandon und Granno etwas nicht stimmt. Als er den beiden auf die Schliche kommt, bezahlt er sein Wissen mit dem Leben.

Fundermann und Weber tragen dick auf, wenn sie ihr Ensemble wie Tiere über Buffet und Theke herfallen lassen. Da wird Geschirr zerschlagen, gesoffen und gekotzt – weshalb hier alle entgleisen, erschließt sich allerdings kaum, abgesehen davon, dass die Charaktere im Einheitsbrei der Hemmungslosigkeit kaum noch spielbar sind.

Eine Ausnahme bildet die strenge Figur der Haushälterin, die durch kleine Gesten und Bemerkungen englischen Humor transportiert. In großen Teilen wirkt das Stück jedoch eher wie Boulevard-Theater, dabei geht das Drama viel tiefer. Weniger wäre mehr gewesen.

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