Launige Adam-Riese-Show im Pumpenhaus
Briten zweifeln an Kunst

Münster -

Sogar wenn er sich den Arm bricht, tut ein Adam Riese es ganz auf münstersche Art: mittels Fahrradsturz. Dass dieser dann humoristisch ausgeschlachtet und im Stand-up-Monolog verwurstet wird, versteht sich von selbst. Da prangte auf der Leinwand das Selfie aus dem Krankenzimmer, und es folgte eine Schnurre über Rieses grelles Oberhemd. Zuerst drohte dem Zwirn die Schere, am Ende befahl der Chefarzt: „Wir retten das Hemd!“

Dienstag, 07.10.2014, 12:10 Uhr

Ein Gesangsduo mit Wucht und Witz: Kabarettist Kai Magnus Sting und Türmerin Martje Saljé singen sich an, und Jule Balandat (Mitte) von den Zucchini Sistaz spielt dazu.
Ein Gesangsduo mit Wucht und Witz: Kabarettist Kai Magnus Sting und Türmerin Martje Saljé singen sich an, und Jule Balandat (Mitte) von den Zucchini Sistaz spielt dazu. Foto: Tom Heyken

Die Show war launig wie gewohnt. Zum Glück hatte der Show-Matador einmal mehr Gäste eingeladen, deren Auftau-Taste man nicht lange suchen muss: Münsters mega-prominente Türmerin Martje Saljé , Wilsberg-Erfinder Jürgen Kehrer und den Kabarettisten Kai Magnus Sting – einen Witzbold, der den Kohlenstaub des Ruhrpotts gern mal gegen Münsters Wochenmarkt eintauscht.

Münster hielt – laut historischem Zitat – im frühen 17. Jahrhundert seine zwei Türmer dazu an, „des Nachts ihre Weiber vom Turm fernzuhalten“. Derlei Sorge bereitet Martje Saljé ihrem Arbeitgeber nicht. Kaum hatte Jule Bandalat (von den Zucchini Sistaz) mit Markus Paßlick (Bongos) und Altfrid Maria Sicking (Vibrafon) ihr einen extra komponierten Türmerin-Song gesungen, plauderte Saljé aus dem Turmkästchen. Zum Beispiel, dass ein Doku-Team der ehrwürdigen BBC verlangte, die „hässlichen Glühbirnen“ aus den Täuferkäfigen zu entfernen. Dass es sich um Kunst handelt, wollten die Briten zunächst nicht glauben.

Die quirlige Norddeutsche demonstrierte ihr Tuten-Handwerk im Pumpenhaus anhand eines kleinen Nebelhorns und legte eine „Berufskutte“ an, die sich gut in Harry Potters Hogwarts machen würde. Wie das Unterhaltungstalent eigentlich zu ihrem Job gekommen ist? Da stand im Internet: „Wollen Sie berühmt werden?“

Berühmt ist Jürgen Kehrer schon lange. Wenn auch nicht so berühmt wie sein Detektiv Wilsberg, der seit Mitte der 90er Jahre verfilmt wird. Natürlich hatte Riese einige Fotos hervorgekehrt, die Kehrers wilde Jahre als Juso und Asta-Vorsitzender zeigten. Schon als Redakteur des „Knipperdolling“ und des „Stadtblatts“ recherchierte der Schriftsteller im kriminellen Milieu.

Kai Magnus Sting, der ebenso wie Riese stets als letzter im Sport gewählt wurde (Umarmung auf dem Sofa!), konnte so genial im Gespräch improvisieren, dass es eine „richtige“ Comedy-Nummer gar nicht gebraucht hätte. Sting ist ebenso passionierter Nicht-Sänger wie Jürgen Kehrer. Was die beiden an bassigem Parlando ins Mikro raunten, war dennoch klasse. Die Türmerin aber ist an der Gitarre eine Wucht und beeindruckte mit Witz und Stimme den Saal.

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