Freie Szene zeigt Vier-Stunden-Epos „Vor den Hunden“ im Pumpenhaus
Die Front ist überall

Münster -

Neun Autoren aus neun verschiedenen Ländern, zehn Schauspieler, zwei Jahre Arbeit – ein solch europäisches Theaterprojekt bekommt vermutlich nur die freie Szene organisiert. Und das Pumpenhaus ist mit dabei: Die Schaubühne Lindenfels (Leipzig), das Fringe-Ensemble (Bonn) und Phoenix 5 (Münster) bringen nach 24 Monaten einen Vier-Stunden-Abend auf die Bühne.

Montag, 20.10.2014, 18:10 Uhr

Hunde kamen in vielen Texten der Fronttheater-Autoren vor, daher hat Regisseur Frank Heuel sein internationales Projekt „Vor den Hunden “ genannt.
Hunde kamen in vielen Texten der Fronttheater-Autoren vor, daher hat Regisseur Frank Heuel sein internationales Projekt „Vor den Hunden “ genannt. Foto: René Reinhardt

Das Thema ist aber auch entsprechend: Krieg. 200 Jahre Völkerschlachtdenkmal, 100 Jahre Erster Weltkrieg waren der Anlass für die Theaterleute um Frank Heuel zu fragen, wie lässt sich dem Gedenken ein anderes, theatrales Gesicht geben. Die Antwort war wieder eine Frage: „Wo ist die Front heute?“

Im vorigen Jahr zog das „Millenium Front Theater“ über Land und campierte auch am Aasee. Autoren aus Europa kamen zusammen, recherchierten am Ort, schrieben am Ort, und am Ort wurde auch gespielt. Das Ergebnis war unter anderem 7,5 Kilo Papier. Das Material hat Heuel gesichtet und zu einem „lustvollen prallen Theaterabend mit leidenschaftlichem Spiel“ destilliert. Da in verblüffend vielen Texten Hunde vorkamen, heißt das Stück nun „Vor den Hunden – Theater aus Europa“.

Autoren aus Lettland, Kroatien, Frankreich, den Niederlanden, Italien, Russland, Island, Dänemark und Deutschland bringen ihre Sicht auf Frontlinien ein. Dabei werden nicht nur militärische Schlachten vor Augen geführt, sondern auch Kämpfe im sozialen und gesellschaftspolitischen Bereich: Der Russe Alexander Moltschanow wird den Bogen von Napoleon bis zu Pussy Riot schlagen, der Ungar Goran Ferčec der Ausbeutung von Näherinnen ein Lied singen. Der Deutsche Lothar Kittstein lässt einen Mann von jenen Orten träumen, zu denen er ferngesteuert Bomber fliegen lässt . . . Und der Däne Jens-Martin Eriksen wagt sich an das norwegische Trauma „Utoya“ mit 77 toten jungen Menschen heran. Ein Mann fantasiert, was passiert, wenn der Terrorist Breivik wieder freikommt. Eriksens Stück sei in Norwegen kontrovers diskutiert worden, berichtet Frank Heuel.

Die Theaterformen sind höchst unterschiedlich und abwechslungsreich: Es startet mit einer Sprachorgie entwickelt sich über starkes Bilder-Theater und endet mit der Matthäus-Passion als „Arbeitsschlacht“.

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Vorstellungen sind am Donnerstag, Freitag und Samstag (23. bis 25. Oktober) um 19 Uhr im Pumpenhaus, Gartenstraße 123. Karten: ✆ 23 34 43.

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