„Vor den Hunden" im Pumpenhaus
Vier Stunden gegen die endlosen Kriege

Münster -

Eine politische Version von Bachs Matthäuspassion stand am Ende der Gemeinschaftsproduktion „Vor den Hunden“ des Fringe-Ensembles, Phoenix 5 und Schaubühne Lindenfels. Intensiv sangen und sprachen die Schauspieler ihre Partien. Der Ort der Passion wurde allerdings von Jerusalem in eine kroatische Textilfabrik verlegt.

Freitag, 24.10.2014, 20:10 Uhr

Zu Bachs Matthäuspassion sangen die Arbeiterinnen einer kroatischen Textilfabrik.
Zu Bachs Matthäuspassion sangen die Arbeiterinnen einer kroatischen Textilfabrik. Foto: heh

Denn dort waren die Arbeiterinnen, die seit Monaten kein Gehalt mehr erhielten, in den Hungerstreik getreten. Atmosphärisch dicht, rhythmisch sauber gearbeitet – ein Bach der anderen Art.

Die endlosen Kriege dieser Welt waren Anlass für das Projekt „Vor den Hunden“, das am Donnerstag im Pumpenhaus zu sehen war. Mit vier Stunden Dauer fiel diese Produktion zeitlich aus dem Rahmen (aufgrund der Erkrankung einer Schauspielerin wurde das Programm leicht gekürzt). Bis zuletzt blieb es überwiegend spannend, steigerte sich sogar in der Intensität fortwährend. Autoren aus neun europäischen Ländern hatten in den vergangenen beiden Jahren, teils in einem kreativen Zeltcamp („Feldlager des Millenium Front Theaters“ auf dem Jahrtausendfeld Leipzig und den Aaseewiesen Münster ) neue Stücke geschrieben und mit den Schauspielern erarbeitet.

„Vor den Hunden“ ist eine gekürzte, geschickt in einander verwobene, Collage aus diesen neuen Stücken (Regie: Frank Heuel , Dramaturgie: René Reinhardt ). Krieg, Elend, Tod, das jahrelange surreale Steckenbleiben in Schützengräben und wie schön ein Land von oben aussieht, über das man eine tödliche Drohnen steuert, wechselten einander ab und hinterließen tief eingebrannte, ausdrucksvolle Bilder: Ein alter Mann erinnerte sich im Pflegeheim daran, wie er im Krieg eine Frau vor den Augen ihres Kindes tötete; eine Russin zersägte ein hölzernes Kreuz, das tat sie mit entblößtem Oberkörper: Sonst bekomme man ja keine „Klickzahlen“.

Die neun Schauspieler überzeugten in jeder Szene, das schlichte Bühnenbild aus ein paar Stellwänden erwies sich als flexibel und ausreichend. Dass angesichts dieses ambitionierten Projektes lediglich kaum zwei Dutzend Zuschauer im Pumpenhaus waren, schmerzt, liegt aber vielleicht auch an der Länge von vier Stunden.

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