Franko B. im Pumpenhaus
Tanz mit dem Eisbären

Münster -

Dokumentarfilme flimmern in Schwarz-Weiß über die Bühnenwand: Menschen werden erschossen, Bomben detonieren, Soldaten werfen die Toten in einen Graben wie Abfall. Franko B. zeigt den Horror menschlicher Geschichte: Weltkriege, Straßenschlachten, Kinder, die mit Spielzeug-Panzern aufwachsen und sich hilflos die Ohren zuhalten, wenn der Krieg zu nah kommt. Der Performer selbst hält sich zurück, läuft wie ein Sportler auf der Stelle, boxt ins Leere und blickt anschließend lange regungslos ins Publikum.

Sonntag, 09.11.2014, 16:02 Uhr aktualisiert: 10.11.2014, 17:01 Uhr
Franko B. inszeniert sich selbst als Kunstwerk. Doch dem Stück, das er zeigt, fehlt eine plausible Dramaturgie.
Franko B. inszeniert sich selbst als Kunstwerk. Doch dem Stück, das er zeigt, fehlt eine plausible Dramaturgie. Foto: isa

„Because of Love – Volume I“ ist der Titel dieser Performance, die im Rahmen des Festivals „Signaturen“ im Pumpenhaus zur deutschen Erstaufführung kam. Der in London lebende Italiener ist weniger im Theater als in der internationalen Kunstszene aktiv und scheint sich entsprechend selbst als Kunstwerk zu inszenieren, wenn er sich von vorne, hinten und der Seite betrachten lässt, wie ein entlaufener Sträfling. Mit seiner Ganzkörpertätowierung, der Glatze und den Goldzähnen wirkt er bedrohlich. Flammen züngeln seine Waden entlang, Kreuze sind ihm auf die Stirn gebrannt, irgendwo steht „fuck“ – diesem Mann möchte man nicht im Dunkeln begegnen. Harmlos wirkt er dagegen, wenn er wie ein Kind auf dem Bühnenboden sitzt und ein langes, schwarzes Band zu sich heranzieht, bis es sich neben ihm zu einem kleinen Haufen türmt.

Eine Jungenstimme singt aus dem Off von frühem Sex, einem Blow-Job im Schlafsaal und von Atheismus, während sich Franko B. auf eine ärmliche Liege setzt und immer wieder herunterfällt. Dann flimmert Hündin Laika, der erste Hund im All, über die Bühnenwand, Planeten tauchen auf und ein riesiger, tanzender Eisbär erscheint. Als er den Performer umarmt, wirkt der bullige Kerl erst recht wie ein kleiner Junge. Sehnsucht nach Liebe und Zuneigung ist ebenso menschlich wie Egoismus und Hass – ist es das, was er dem Publikum sagen will? Oder geht es zuletzt um Umweltzerstörung als Apokalypse? Man weiß es nicht in diesem beliebig wirkenden Stück, dem eine plausible Dramaturgie fehlt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2863825?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F2575595%2F4848600%2F
So stellt sich die SPD den neuen Hafen-Markt vor
Die Baustelle am Hafencenter liegt still. Nach Vorschlägen der SPD könnte dort anstelle eines großen Supermarktes eine Markthalle entstehen, ohne dass die bereits fertigen Rohbauten abgerissen werden.
Nachrichten-Ticker