Eindrucksvoller Beckett-Abend mit Chaim Levano im Pumpenhaus
Im Publikum sitzt jeder für sich allein

Münster -

„Eine Stimme kommt zu einem im Dunkeln. Zu einem auf dem Rücken im Dunkeln. Spricht die Stimme zu ihm und über ihn . . .“

Donnerstag, 13.11.2014, 18:11 Uhr

In Dunkelheit ließ Chaim Levano sein Publikum lauschen.
In Dunkelheit ließ Chaim Levano sein Publikum lauschen. Foto: Hans van den Bogaard

Derjenige, zu dem diese Stimme spricht, die mal von hinten, mal von vorn, mal leise, mal laut aus dem Off ertönt, ist eine fiktive Figur, und dennoch fühlt man sich angesprochen, befindet sich der Zuschauer doch selbst auf der immer dunkler werdenden Bühne des Pumpenhauses und ist den Sätzen quasi ausgeliefert. Es wirkt, als töne das eigene Gedächtnis aus der Schwärze des Bühnenraums, während man wie ein Schauspieler auf einem der Podien sitzt, und, vom Sitznachbarn separiert (die Stühle sind fixiert), auf sich allein gestellt ist.

„Gesellschaft“ ist der Titel dieses Prosatextes von Samuel Beckett , den der Niederländer Chaim Levano als Sprecher (in Co-Regie mit Fleur den Uyl) Anfang der 1990er Jahre für das Theater gestaltet hat. Das Pumpenhaus hat die Aufnahme für den 86-Jährigen digitalisiert, um sie im Rahmen des Festivals „Signaturen“ noch einmal auf die Bühne zu bringen. Es hat sich gelohnt, vermittelt diese Inszenierung doch auf außergewöhnliche Weise einen Eindruck davon, was es bedeuten kann, einsam und kraftlos am Lebensende zu stehen, während sich die Erinnerung fortwährend des Verstandes bemächtigt.

Erlebnisse aus der Kindheit tauchen auf, Szenen, die mal zu Ende erzählt werden, mal in der Aktion stecken bleiben: An der Hand der Mutter nach Hause gehen, im Schatten des Vaters wandern, einen Igel oder alle geliebten Menschen retten wollen und es doch nicht können. Daneben steht die Perspektive des allwissenden Erzählers, wenn er den Lebensbeginn Revue passieren lässt, die Hilflosigkeit des Vaters gegenüber dem Geburtsschmerz, Lieblosigkeit.

Auch wenn Wiederholungen mitunter einlullen, liegt doch eine Unberechenbarkeit in diesem Text, die fesselt, zumal man Levanos scharf akzentuierter Stimme kaum entgehen kann. Was bleibt, ist ein Gefühl von Einsamkeit am Ende eines Lebensweges, den nur jeder für sich beschreiten kann. Mit Beckett gesprochen: „Du bist – wie eh und je – allein.“

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