Deutsche Erstaufführung von Lisa D'Amour
Dämonen hinter Glücks-Fassaden

Münster - Mary hat scheinbar alles im Griff. Haus und Garten sehen proper aus, als Rechtsanwaltsgehilfin hat sie eine gute Stellung, und Ehemann Ben nutzt den Verlust seines Jobs, um sich als Finanzberater selbstständig zu machen. Wäre da nicht die lästige Warze am Fuß, die beim Auftreten so weh tun kann...

Samstag, 15.11.2014, 15:11 Uhr

Schauspiel von Lisa D'Amour. Foto: Oliver Berg
Schauspiel von Lisa D'Amour: Deutschsprachige Erstaufführung im Theater Münster. Inszenierung: Caro Thum Aurel Bereuter (Ben), Christoph Rinke (Kenny), Julia Stefanie Möller (Sharon), Carola von Seckendorff (Mary). Foto: Oliver Berg

Gegen die Warze hilft eine Operation mit örtlicher Betäubung. Die anderen Schmerzen jedoch, die Mary am liebsten nicht wahrnehmen würde, lassen sich durch viele Drinks nur kurzzeitig betäuben. Auch in diesem Fall hilft letztlich nur eine Operation. Und die fällt im Theaterstück " Detroit " von Lisa D'Amour ziemlich spektakulär aus.
Denn wie es sich für ein amerikanisches Drama gehört, lauern lauter Dämonen hinter der hübschen Fassade. Die melden sich zu Wort, nachdem Mary und Ben das neue Nachbar-Paar Sharon und Kenny zum Grillen eingeladen haben. Die Frau aus dem Callcenter und der Lager-Arbeiter kennen sich aus der Entzugsklinik, besitzen keine Möbel und scheuen sich bei der Gegen-Einladung nicht, Cola, Ketchup und "Sprühkäse" anzubieten, während Mary zuvor Datteln im Speckmantel servierte. Und doch offenbaren sich erstaunliche Parallelen, die im Plan der Frauen gipfeln, einen Trip zurück zur Natur zu wagen, Richtung Campingplatz. Klar, dass die Kerle gleichzeitig eine Art Herrenabend vorbereiten. Dann aber treffen sich alle vier zu einer alkoholseligen Fete, die ausartet...
Regisseurin Caro Thum spitzt die deutsche Erstaufführung in Münsters Kleinem Haus auf den Kontrast der Paare zu. Vor dem drehbaren Papierhäuschen (Ausstattung: Lilith-Marie Cremer ),  das wechselweise die Fassade der jeweiligen Gastgeber abgibt und am Ende ein trauriges Schicksal erleidet, sind besonders die Frauen ein großartiges Gespann: Carola von Seckendorff lässt als Mary in all ihrer Doris-Dayhaftigkeit beim hysterischen Kirchern die überdeckte Skepsis durchblicken, Julia Stefanie Möller dagegen porträtiert Sharon brillant als kleine Schwester von Courtney Love, die aus ihrer Lebens-Überforderung keinen Hehl macht. Dass ihr Partner Kenny gefährliches Potenzial hat, ist den scheinbar linkischen Bewegungen Christoph Rinkes deutlich anzumerken. Und der smarte Mary-Mann Ben lügt nicht nur seiner Frau was vor: eine schöne Rolle für Aurel Bereuter.
Am Ende kommt der liebenswerte alte Nachbar Frank (Thomas Meinhardt) vorbei und sinniert über den Verfall der heilen Welt in der Fertighaussiedlung - jenen Niedergang also, für den der Stücktitel Detroit ebenso symbolisch steht wie Marys Warze für den Stachel im Fleisch der Figuren. Eine zwar schlichte Symbolik, die aber für eineinhalb Stunden pralles Theater sorgt.

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