Jan Decortes „Much Dance“ im Pumpenhaus
Grotesker Liebestanz

Münster -

Die Liebe trifft ins Mark; je nachdem, ob und wie sie erwidert wird, macht sie glücklich, mitunter auch verlegen, unsicher, einsam oder gar hilflos. Der belgische Regisseur Jan Decorte bringt sämtliche Gefühlszustände zum Ausdruck, wenn er drei Performer auf eine mit kunstvoll gestalteten Holzkegeln ausgestattete Bühne bringt (Kulisse: Jan Decorte, Johan Daenen) und ihre Körper radikal bloßstellt.

Sonntag, 23.11.2014, 16:11 Uhr

Jan Decorte (2. v. r.) und seine drei Akteure bringen die Gefühlslagen der Liebe zum Ausdruck, stellen dabei aber auch ihre Körper radikal bloß.
Jan Decorte (2. v. r.) und seine drei Akteure bringen die Gefühlslagen der Liebe zum Ausdruck, stellen dabei aber auch ihre Körper radikal bloß. Foto: Danny Willems

Skurril wirken diese Figuren, extrem die Unterschiede ihrer Physiognomie: Da agiert ein fettleibiger Schauspieler neben einem dünnen – beide nackt bis auf einen wadenlangen Rock – und dazwischen eine zarte, kleine Frau. Wenn sich die beiden Männer umarmen, sieht es so aus, als werde die Protagonistin von den Körpern verschluckt.

Ebenfalls grotesk, aber auch rührend, die Szene, in der der schmale Schauspieler (Risto Kübar) versucht, auf den breiten, schweißnassen Rücken seines Geliebten ( Benny Claessens ) zu springen und dabei immer wieder zu Boden rutscht. Die dritte im Bunde, Sigrid Vinks, wirkt dagegen wie ein glückliches Kind, das sich durchzusetzen weiß, wenn sie auf Claessens Rücken reitet und ihn wie ein Pferdchen parieren lässt.

Much dance“ ist der Titel dieses Tanzstücks, das im Rahmen des Festivals „Signaturen“ im Pumpenhaus zur deutschen Erstaufführung kam. Jan Decorte genießt in seiner Heimat längst den Ruf eines „Theaterverwüsters“. Werke von Aischylos, Shakespeare oder Goethe hat der Regisseur radikal umgeschrieben und entschlackt. Hier lässt er Schauspieler tanzen, mal dynamisch, im Rhythmus stampfender Füße, mal dilettantisch und manieriert, wie Karikaturen mittelalterlicher Tänzer bei Hofe. Man hat den Eindruck: Alles ist erlaubt, solange es Ironie birgt oder echte Gefühle spiegelt.

Viele witzige Szenen gelingen, die in ihren Wiederholungen mitunter lang werden, darunter Risto Kübar als schüchtern dichtender Liebhaber. Oder der Regisseur selbst in seiner pathetischen Rolle als einsamer, schmerzensreicher Anti-Held, der schließlich doch von seiner Geliebten betrauert wird. Ein schräges, originelles Stück, das gewinnt, indem es sich selbst nicht allzu ernst nimmt.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2896951?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F2575595%2F4848600%2F
14 Tonnen feuchter Abfall und ein großer Scherbenhaufen
Der vom starke Regen durchnässte Abfall wurde von zehn AWM-Mitarbeitern zusammengekehrt.
Nachrichten-Ticker