Das Ensemble „Los Otros“ im Haus der Niederlande
Mehr Knoblauch und Käse als Parfüm

Münster -

Zerstörung und Leid, Sterben und Verzweiflung, aber auch Hoffnung und Sehnsucht nach Frieden – wenn Krieg herrscht und die Menschen wie Fliegen umkommen, melden sich die Komponisten. Auch und gerade im 17. Jahrhundert mit seinen verheerenden Konflikten. Die Musik klagt an, die Musik trauert, die Musik hält nicht zuletzt die Utopie eines Besseren wach.

Montag, 19.01.2015, 18:01 Uhr

Das Ensemble „Los Otros“ mit der Sopranistin Nele Gramß (stehend)
Das Ensemble „Los Otros“ mit der Sopranistin Nele Gramß (stehend) Foto: Hermann Herden

Etwas von all dem steckte in jenem facettenreichen Programm, mit dem das Ensemble „Los Otros“ am Sonntag im Haus der Niederlande gastierte. Quer durch Europa führte dessen klingende Exkursion, inspiriert von Peter Paul Rubens , der nicht nur Maler, sondern auch kontinental vermittelnder Diplomat war und so die Entwicklung seiner Zeit in friedliche Bahnen lenken wollte.

„Los Otros“, das sind Hille Perl und Steve Player , Lee Santana und Johannes Gontarski, vier hochprofessionelle Künstler, die sich im Repertoire des 16. und 17. Jahrhunderts bewegen wie Fische im Wasser. Laute, Theorbe, Gambe, Chitarrone, Barockgitarre und Cister – diese Instrumente erweckten sie zu einem faszinierenden Leben. Das ist oft geprägt von intimer Stille wie in den Liedern des Engländers William Lawes, die Sopranistin Nele Gramß wie kleine Kostbarkeiten zum Leuchten brachte.

Es ging um Liebe. In Spanien warnte man zeitgleich vor Begierde – ganz katholisch, versteht sich. Während die Franzosen über die Spanier die Nase rümpften: „Ihr riecht mehr nach Knoblauch und Käse als nach Parfüm !“ lamentiert der Renaissance-Meister Estienne Moulinié.

Vielseitige Beziehungen zwischen den Nationen offenbarte dieses dramaturgisch straff angelegte Programm mit Tanzeinlagen von Steve Player, das sich zum Schluss mit den koloraturreichen Gesängen des Italieners Girolamo Kapsberger rundete. Und dies alles in einem Raum, der die Geschichte geradezu atmet. Immerhin residierten über zwei Jahre lang bis zum Beschluss des Westfälischen Friedens die Gesandten der Niederlande an dem Ort des konzertanten Geschehens. Man darf annehmen, dass auch sie gelitten, geseufzt, gehofft und gefeiert haben. Ganz so wie die Musik es an diesem Abend hat spürbar werden lassen.

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