„Heimat-Los“ – höchst unterhaltsame Szenenfolge über österreichische Mentalität
Brauchtum, Berge und 16er Blech

Münster -

Heimat ist ein Begriff, der sich schwer definieren lässt. Alice Mortsch und Peter Wallgramm sitzen vor einem an die Wand geworfenen Alpenpanorama und versuchen es trotzdem. Brauchtum wird bemüht, Gemeinschaftsgefühl, die alten Lieder. Oder ist Heimat nur eine Illusion, wie Konrad Haller meint – in die Welt gesetzt von Schweizer Söldnern, die in der Fremde stationiert waren und sich ins Eidgenössische zurücksehnten.

Dienstag, 27.01.2015, 13:01 Uhr

Sie stammen alle aus Österreich, leben inzwischen in Münster und erzählen in „Heimat.Los“, was das eigentlich für eine Situation ist: (v.l.) Konrad Haller, Alice Mortsch und Peter Wallgramm.
Sie stammen alle aus Österreich, leben inzwischen in Münster und erzählen in „Heimat.Los“, was das eigentlich für eine Situation ist: (v.l.) Konrad Haller, Alice Mortsch und Peter Wallgramm. Foto: Helmut Jasny

Die drei Schauspieler im Kleinen Bühnenboden haben etwas gemeinsam. Sie stammen alle aus Österreich und leben heute in Münster . Grund genug, sich in Form eines Theaterstücks mal Gedanken zu machen, was das eigentlich für eine Situation ist. Herausgekommen ist „Heimat.Los“, ein amüsanter, mal mehr, mal weniger ernst gemeinter Abend, der dem hiesigen Publikum österreichische Mentalität nahe bringt.

Und die ist gar nicht so einheitlich, wie man meinen möchte. Zumal es sich bei Wallgramm und Haller um waschechte Tiroler handelt, während Mortsch in der Millionenstadt Wien aufgewachsen ist. Diese Unterschiede offenbaren sich nicht nur im Dialekt, sondern auch im Auftreten. Kaffeehaus-Szenen wechseln mit Akrobatik am Kletterseil und Kurzvorträgen über Tiroler Freiheitskämpfer nebst feierlichem Absingen des Andreas-Hofer-Liedes.

Ein Monolog widmet sich dem Niemandsland, in dem man sich befindet, wenn die alte Heimat noch an einem hängt und man in der neuen noch nicht so richtig angekommen ist. Das daraus resultierende Gefühl der Entwurzelung erfahren einzelne Zuschauer am eigenen Leib, wenn sie kurzerhand von der letzten Reihe in die erste versetzt werden.

Und wenn den Protagonisten die Bahnfahrt von Münster nach Wien länger vorkommt als die Rückfahrt, hat das weniger mit der Relativität von Raum und Zeit zu tun als mit den unterschiedlichen Emotionen, die sich auf der jeweiligen Strecke einstellen.

Insgesamt erweist sich „Heimat.Los“ als lockere und höchst unterhaltsame Szenenfolge , die man nicht verpassen sollte, auch wenn man keinen großartigen Bezug zu Österreich hat. Zumal man dabei einiges über das Nachbarland lernen kann – beispielsweise warum eine Wiener Biersorte „16er Blech“ heißt. Und wenn die Schauspieler am Ende der Vorstellung auch noch echte Tiroler Spinatknödel servieren, ist wirklich „ois leiwand“.

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Die nächste Vorstellung von „Heimat.Los“ ist am Sonntag (25. Januar) um 18 Uhr im Kleinen Bühnenboden, Schillerstraße 48a. Karten: ✆ 66 17 59.

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