Christoph Tiemanns Cubarett meldet sich aus der Winterpause zurück
Vier Kinder aus drei Ländern

Münster -

Die Winterpause steckte der freien Kabarettbühne im Cuba Nova offenbar noch in den Knochen, denn zumindest der Auftakt geriet etwas müde.

Dienstag, 03.02.2015, 17:02 Uhr

Der ansonsten schlagfertige und pointensichere Moderator Christoph Tiemann revitalisierte zunächst den seit Rüdiger Hoffmann überstrapazierten Mentalitätsvergleich von Rheinländern und Westfalen , um das Publikum in Form zu bringen. Dann versuchte Philipp Steimel, die Stimmung anzukurbeln, indem er sich die Eröffnungsszene des „Sommernachtstraums“ mehr albern erklärend als humorvoll spielend vornahm. Es folgte Neuling Dusan Rudolph, der einen merkwürdigen Sermon absonderte und sich fortwährend verhaspelte. Kurzfristig eingesprungen war Lokalmatadorin Anke Rudolph. Die alleinerziehende Mutter von „vier Kindern aus drei Ländern“ trug biografisch geprägte, aber etwas moralisierende Lyrik vor.

Nach der Pause wurde es richtig lustig, als die schwergewichtige Travestiekünstlerin Else Roe versuchte, die Kabarettbühne zu betreten. Für die mühsame Erklimmung der niedrigen Stufe holte sich die „alte Dame“ mit dem mächtigen Bierbauch, die angeblich mehrere Kriege locker überlebte und zweimal glücklich verwitwet ist, als Stütze einen gut aussehenden Zivi aus dem Publikum. Schon da war das Eis gebrochen, und Beifall brandete auf.

Sie lebe jetzt im Altenheim, ließ Else wissen, und halte nichts von modernem Zeug wie Computer: „Man weiß nie, was passiert, wenn man ,Alt’ und ,Entfernen’ drückt.“ Schon als ihr Ludwig beim Kartoffelholen unglücklich die Kellertreppe hinuntergefallen und verschieden sei, habe sie sich gefragt: „Was soll ich jetzt machen?“ Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „Reis“! Wenn ihr Mund nach Nivea schmecke, liege das nur daran, dass sie die Haftcreme fürs Gebiss mit der Gesichtscreme verwechselt habe. Restlose Begeisterung rief Else Roe hervor, wenn sie stimmgewaltig amerikanische Songs wie „Night and day“ zum Besten gab.

Mit dem Duo „Fußpflege deluxe“ und der Nichtaufführung der „besten Nummer, die es jemals gab“ (man hatte brennende Kettensägen zur Jonglage vergessen) ging ein durchwachsener Kabarettabend zu Ende.

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