Handorfer Kantorei in der Mutterhauskirche
Romantischer „Lobgesang“ mit barockem Kern

Münster -

Konzertprogramme, in denen Felix Mendelssohn Bartholdys geistliche Musik enthalten ist, stoßen bei Münsters Musikliebhabern stets auf großes Interesse. Dessen Vertonung des 95. Psalms, „Kommt, lasst uns anbeten“, und die Sinfoniekantate „Lobgesang“ für Soli, Chor und Orchester wurden am Samstagnachmittag in der nahezu ausverkauften Mutterhauskirche der Franziskanerinnen dargeboten. Die hervorragenden Solisten Jenny Hecker (Sopran), Catrin Hirsch (Sopran) und Stephan Hinssen (Tenor) sowie die bestens aufgelegte Handorfer Kantorei und das brillierende Kourion-Orchester unter der Leitung von Michael Schmitt wurden vom Publikum gefeiert.

Sonntag, 08.02.2015, 16:02 Uhr

Michael Schmitt leitete die Handorfer Kantorei und das Kourion-Orchester.
Michael Schmitt leitete die Handorfer Kantorei und das Kourion-Orchester. Foto: Coppel

Schmitt hatte das gesamte Riesenensemble zu einer ausgezeichneten Einheit geformt. Kaum waren Schwächen erkennbar. Im gesamten Konzertverlauf gelang einfach so gut wie alles. Solisten, Chor und Orchester waren jeweils und untereinander hervorragend balanciert. Und dies bei den so anspruchsvollen akustischen Verhältnissen des Kirchenbaus mit seinen weitflächigen Holzvertäfelungen, die ein alles andere als halliges Klangbild erzeugten. Vielmehr ergab dies einen warmen, satten Sound, jedoch niemals zu drückend oder laut.

Der junge Dirigent Schmitt trat bislang vor allem durch hervorragende Chorkonzerte öffentlich in Erscheinung. Im gut 15 Minuten andauernden, rein sinfonischem Instrumental-Teil des „ Lobgesang “ nutzte er die Gelegenheit, seine Qualitäten als Orchester-Dirigent unter Beweis zu stellen. Aus den anfänglichen Trompeten-Fanfaren erwuchsen intensive Dialogmotive mit den Streichern. Neben dem typisch romantischem Gestus, etwa in „Alles, was Odem hat“ ( Psalm 150) ist in Mendelssohns geistlichem Werk jedoch immer wieder die tiefe Beschäftigung mit Johann Sebastian Bachs Tonsprache erkennbar. So etwa im „Saget es, die ihr erlöst seid durch den Herrn“. Wunderbar einfühlsam und klar interpretierte Stephan Hinssen das berühmte Rezitativ mit anschließender Arie. Dynamisch dezent akzentuierend und damit den barocken Kern nicht verklärend klang das Kourion-Orchester dazu. Ein Hochgenuss. Die beiden Sopranistinnen Jenny Hecker und Catrin Hirsch sind stimmlich völlig unterschiedlich. Kontrastreich und perfekt mit dem Chor abgestimmt klangen sie im Duett „Ich harrte des Herrn“. Stehende Ovationen.

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