Künstlervereinigung „Schanze“ wird 95: Zwei Ausstellungen
Die Schanze lebt!

Münster -

„Schanze?! Gibt es die denn noch?“ Solche Fragen hört Udo Weiße häufig. „Und wie es uns gibt!“, antwortet der 84-jährige Künstler dann immer. Er ist seit 1994 Mitglied einer der ältesten Künstlervereinigungen in Deutschland und ist bei einigen Gründervätern bereits in die künstlerische Lehre gegangen.

Freitag, 20.02.2015, 16:02 Uhr

„Last Exit Kunst“: 13 Schanze-Künstler zeigen im VHS-Forum ihre Werke, darunter (v.l.) Hilla Zinkant, Michael Hassels, Udo Weiße und Erhard Wilde. Der Leuchtkasten „Fluchtweg Kunst“ (kl. Foto) stammt von Uli Grohmann.
„Last Exit Kunst“: 13 Schanze-Künstler zeigen im VHS-Forum ihre Werke, darunter (v.l.) Hilla Zinkant, Michael Hassels, Udo Weiße und Erhard Wilde. Der Leuchtkasten „Fluchtweg Kunst“ (kl. Foto) stammt von Uli Grohmann. Foto: Peter Sauer

Die Schanze , gegründet 1919 im Lortzingsaal von jungen Künstlern um Friedrich Wilhelm Liel, wird oft totgesagt. Vor allem weil sie keine eigenen Räume hat. „Die wünschen wir uns sehnlichst – und einen Mäzen“, sagt Hilla Zinkant . Nach 1945 bis Ende der 1960er Jahre hatte die Schanze eigene Räume, zuerst an der Josefkirche, dann am Bahnhof. Dann zog das Land bei der Finanzierung den Stecker. Seitdem fehlt der Schanze ein Zuhause, oder wie Weiße es formuliert, „der Anker in der Gesellschaft“. Er fordert: „Wir brauchen mehr Akzeptanz in der Stadt.“ Schließlich gelte die Schanze als Keimzelle unzähliger Künstlergruppierungen und Aktionen, betont auch Michael Hassels : „Damals gab es ja noch keine sozialen Netzwerke“.

Zum 95. Geburtstag ist die Schanze aktuell gleich an zwei Orten mit Ausstellungen präsent. Vom 26. Februar an in der Stadthausgalerie und bereits seit gestern im VHS-Forum im Aegidiimarkt. 13 Künstler zeigen dort rund 40 Werke. Der erste Eindruck: Schanze Anno 2015 besticht durch Frische, Vielfalt, Farben und spannende, weil vielschichtige und erzählungsreiche Bildkompositionen.

Einen augenzwinkernden Blick in die Zukunft richtet Uli Grohmann mit seinem Leuchtkasten „Fluchtweg Kunst“. Voll von musikalischem Schwung sind die fünf kalligraphischen Arbeiten in Lacktechnik, mit denen Udo Weiße Jazzgrößen wie Joachim Kühn oder Lester Bowie mit abstrakten Noten auf Papier bringt. „Beatle“ Ringo Starr und Maler Pablo Picasso treffen sich in den spannenden Collagen von Michael Hassels. Aufwendig trug er dazu in Wachs gebundene Farbpigmente heiß auf den Malgrund auf: „Ich verarbeite alles, was bei mir auf dem Tisch liegt.“ Erhard Wilde reduziert seine Collagen aus Zink und Kupfer auf ausdrucksstarke Kompositionen aus Linie und Fläche. Die Tusche hat er mit Reet-Rohr vom Kanal aufgetragen.

Ein Hingucker sind die großformatigen figurativen Bilder von Hilla Zinkant – mit Detailgenauigkeit und feinen Spiegelungen. Anhand dreier Frauenansichten beweist sie einmal mehr, dass auch Rückenansichten entzücken können. Von handwerklicher Raffinesse sind die Schattenfiguren des am Donnerstag im Alter von 90 Jahren verstorbenen Paul Hülsmann, voller plakativer Aufbruch-Stimmung ins Positive die farbintensiven Großformate zwischen Leben und Träumen der Künstlerin Miriam, mit 38 Jahren jüngstes Mitglied. Das Durchschnittsalter der Schanze liegt bei 57. „Wir wollen uns gerne verjüngen“, freut sich Michael Hassels auf neue Mitglieder. Aktuell sind es 25.

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