Moshe Kahn übersetzte den „unübersetzbaren“ „Horcynus Orca“
Mit der Hilfe sizilianischer Freunde

Münster -

Zuweilen sei er sich vorgekommen, als müsse er eine Mahler-Sinfonie in Worte übertragen, sagt Moshe Kahn über die Übersetzung des Romans „Horcynus Orca“ von Stefano D‘Arrigo (1919-1992). Angefangen hatte er Ende 2006. Jetzt ist das Werk des italienischen Dichters, das gemeinhin als unübersetzbar galt, im Fischer Verlag erschienen. Am Montag stellte Kahn es beim Literaturverein in der Stadtbücherei vor.

Mittwoch, 18.03.2015, 10:03 Uhr

Moshe Kahn präsentiert seine Übersetzung des Romans „Horcynus Orca“ von Stefano D’Arrigo.
Moshe Kahn präsentiert seine Übersetzung des Romans „Horcynus Orca“ von Stefano D’Arrigo. Foto: jas

Fachleute vergleichen den „Horcynus Orca “, der in der deutschen Fassung knapp 1500 Seiten umfasst, mit literarischen Achttausendern wie dem „Ulysses“, Prousts „Suche nach der verlorenen Zeit“ oder Musils „Mann ohne Eigenschaften“. In einer Art Odyssee wird von einem Matrosen erzählt, der 1943 aus Neapel flieht und zu seinem Heimatdorf in Sizilien wandert, wo er schmerzhaft erkennen muss, was der Krieg aus den Menschen gemacht hat. Der titelgebende Mörderwal erscheint dabei als durchgängige Metapher des Todes.

Was die Schwierigkeit der Übersetzung ausmachte, war die musikalische und stark dialektgefärbte Sprache des Romans. Als Kahn das Buch bei seinem Erscheinen 1975 zum ersten Mal in Händen hielt, war er zwar begeistert, fand es aber auch sehr schwer zu lesen. Der Entschluss, es trotzdem zu übersetzen, erfolgte, nachdem er den Autor kennengelernt hatte.

Allerdings lehnten große Verlage wie Hansa oder Suhrkamp ab, weil ihnen das wirtschaftliche Risiko zu groß war. Das Wagnis ging dann Egon Ammann ein, der jedoch seinen Verlag 2010 auflösen musste, woraufhin Fischer das Projekt übernahm.

Die Passagen, die Kahn aus seiner Übersetzung vortrug, machen deutlich, dass „Horcynus Orca“ keine leichte Kost ist. Aber sie offenbaren auch einen literarischen Reichtum, der die Anstrengung lohnt. Ihm sei es bei der Übersetzung vor allem darum gegangen, die Musikalität der Sprache ins Deutsche zu übertragen, sagt Kahn.

Dazu habe er sich an manchen Stellen auch vom Original entfernt – mit Einwilligung des Autors, wie er betont. Einfach sei es trotzdem nicht gewesen. Oft habe er ellenlange Sätze aufgelöst und am Ende doch kein Verb gefunden, sodass er immer wieder auf die Hilfe sizilianischer Freunde zurückgreifen musste.

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