Oliver Breitenstein und Tassilo Sturm in der Kunsthalle Münster
Einladung ins Künstlerparadies

Münster -

In der zivilisierten Kunstwelt setzen Künstler den Zufall, das Chaos, die Unordnung in homöopathisch bequemen Dosen ein. Die Kunsthalle Münster hat es gewagt, ihren großen Raum zwei höchst unterschiedlichen Kreativarbeitern aus Münster anzuvertrauen: Oliver Breitenstein und Tassilo Sturm. Und die haben die fünfte Etage des Atelierspeichers in einen Zustand versetzt, von dem es bei Moses heißen würde: „Und die Erde war ein Tohuwabohu.“

Samstag, 21.03.2015, 07:03 Uhr

Oliver Breitenstein und Tassilo Sturm (v.l.) laden die Besucher zum Mitmachen ein. Das bespielbare Labyrinth ist als Kunstwerk freigegeben.
Oliver Breitenstein und Tassilo Sturm (v.l.) laden die Besucher zum Mitmachen ein. Das bespielbare Labyrinth ist als Kunstwerk freigegeben. Foto: Gerhard H. Kock

„Freiheit“ nennen es die Künstler und meinen es auch so. Schließlich, so Oliver Breitenstein : „Freiheit heißt nicht Amoklauf .“ Aber eben auch nicht Schubladen, Denkmuster, Kategorien. Musik, Literatur, Kunst, Hochkultur, Subkultur, Trash – in ihrer raumgreifenden Konstruktion aus 250 Paletten geht es um die Grenzen der Möglichkeiten. Da jede Ordnung Möglichkeiten ausschließt, ist das Chaos das Reich der unendlichen Möglichkeiten – ein Künstlerparadies zum Mitmachen.

RTFM (Read The Fucking Manual) heißt dass Projekt von Breitenstein und Sturm sowie ein Dutzend Gastkünstlern. Die Abkürzung stammt aus dem Internet und verweist bei Problemen den Nutzer ziemlich drastisch auf das Handbuch. Das würden Online-Spieler niemals lesen. Darauf spielt der Titel an: Wie bei Computerspielen soll sich der Nutzer durch die verschiedenen Welten von Breitenstein und Sturm bewegen, sich darauf einlassen oder nicht, sie verändern oder nicht. Es ist ein „Open World“-Konzept, das sich kritisch von herkömmlichen Begriffen wie Kunst und Künstler zu distanzieren sucht.

Oliver Breitenstein und Tassilo Sturm in der Kunsthalle Münster

1/48
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock
  • Foto: Gerhard H. Kock

Breitenstein wendet sich auf der einen Seite gegen die Ausschließlichkeit musealer „Kunst als Anbetung“, sieht es aber auch als „Fluch des erweiterten Kunstbegriffes“, dass es sich die Leute heute leicht machen mit der Aussage: „Ach, das ist Kunst.“ Ihm ist das zu wenig. „Im besten Fall haben die Besucher unserer Arbeit einen Erkenntnisgewinn.“

Dafür sollten die Besucher Zeit mitbringen und Spiellaune. Collage-Landschaften an den Wänden laden zu irrwitzigen Lese-Kombinationen ein: Da steht auf einem Euro-Fünfer „Klaut Ideen und verschenkt die besten“ sowie direkt daneben die Ankündigung „Wir eröffnen hier demnächst eine Kindertagesstätte“ und darunter lugt ein Stück Papier hervor, auf dem ist ein Artikel getitelt: „Künstler kommen, und alles geht kaputt“.

Wer Humor mitbringt, hat mehr von der Ausstellung. Die „Kronkorken-Nerd-Ecke“ zum Beispiel befindet sich in einem von Discolicht-Flimmern bunt illuminierten Raum, in dem der König der Nerds seinen Thron hat. Daneben befindet sich eine Pilz-Lampen-Ausstellung mit einem Schaf. Heißt das: Wer Kitsch liebt, ist ein Schaf? Vielleicht.

Mitten in den schrägen Inseln hat Tassilo Sturm aus Paletten einen Zen-Tempel errichtet – für Lesungen von und mit Bettina Mühlbauer. Ein Café gibt es auch . . .

Zum Thema

Die Ausstellung wird am Sonntag (22. März) um 17 Uhr eröffnet. Bis zum 12. April wird die Installation permanent verändert – von den Künstlern und im besten Fall von den Besuchern auch.

...
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3147803?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F4848586%2F4848596%2F
Gronau groovt neun Tage lang
Joris eröffnet am Samstag (27. April) den musikalischen Reigen in der Bürgerhalle.
Nachrichten-Ticker