Kirchturm von Guillaume Bijl ist zugeschüttet
Kunstwerk jetzt unterirdisch

Münster -

Münster ist um eine Kuriosität reicher: unterirdische Kunst. Am Mittwoch hat eine Gartenbaufirma das Skulptur-Projekt von Guillaume Bijl aus dem Jahr 2007 zugeschüttet. Es bleibt ein Kunstwerk. Nur eben verbuddelt und nicht mehr sichtbar.

Donnerstag, 16.04.2015, 10:04 Uhr

Kirchturm von Guillaume Bijl ist zugeschüttet : Kunstwerk jetzt unterirdisch
Was bleibt, ist ein Hügel: Guillaume Bijls Kirchturm, der wegen seiner Beleuchtung vom Volksmund „Pizzaofen“ getauft wurde, ist zugeschüttet worden. Der Kirchturm-Hahn soll ins Landesmuseum kommen. Foto: Stefan Werding/kok

Die Stadt hatte in den vergangenen Jahren kein Interesse gezeigt, das Kunstwerk zu kaufen. Zudem wurde ermittelt, dass die Renovierung der scheinbaren „Ausgrabungsstätte“ rund 60 000 Euro kosten würde; hinzu kämen laufende Kosten in Höhe von 4000 Euro jährlich. Dafür gibt es kein Budget. Daher hat Skulptur-Projekte Kurator Kasper König mit dem Künstler abgesprochen, dass das Loch zugeschüttet werden soll.

Prof. Guilaume Bijl

Prof. Guilaume Bijl Foto: Wilfried Gerharz

Das Kunstwerk wird sozusagen in einen Dornröschenschlaf versetzt. Was angesichts des künstlerischen Themas passend ist. Bijl , von 2001 bis 2011 Professor der Kunstakademie Münster, hat zwischen Mühlenhof und Naturkundemuseum eine seiner „Sorry Installations“ errichten lassen. Der Künstler entschuldigt sich sozusagen dafür, dass er das Publikum täuscht: Die „Archäologische Situation“ für die Skulptur-Projekte fingierte die Ausgrabungsstätte einer Kirche . Ein Schild führte mit entsprechend fantasievollen Informationen arglose Besucher in die Irre.

Das Informationsschild wurde nun ebenso entfernt wie die Stromkabel für die abendliche Beleuchtung sowie der Absperrzaun. Der Kirchturm-Hahn wurde vor dem Zuschütten entfernt. Was damit passieren soll, ist noch unklar. Ob die Metallfigur im Landesmuseum ausgestellt wird, muss Marianne Wagner in Abstimmung mit dem Künstler entscheiden.

So sah das Kunstwerk einmal aus...

So sah das Kunstwerk einmal aus... Foto: Matthias Ahlke

Die neue Kuratorin für Gegenwartskunst am LWL-Museum für Kunst und Kultur tritt am 1. Juni ihre Stelle an. Sie ist dann auch für das Skulptur-Projekte-Archiv zuständig, wo jetzt bereits einige Erinnerungsstücke früherer Skulptur-Projekte zu sehen sind.

Bis die Stadt Münster etwas anderes mit der Fläche vorhat, bleibt der Hügel mit dem verborgenen Kirchturm erhalten. Die Kinder wird’s freuen. Bereits in früheren Wintern wurde die künstliche Erhebung nach Schneefall als Rodelstrecke genutzt. Da die Gitter nun weg sind, lässt sich in Zukunft für eine flotte Schlittenfahrt sogar Anlauf nehmen . . .

Wie es der Kunst unter der Erde ergehen wird? Wie alle Skulptur-Projekte war der Turm nur für die 100 Tage der Ausstellung ausgelegt. Aber: Es gibt nichts Beständigeres als ein Loch, sagen Archäologen. Und die werden sich wundern, wenn sie in 100 Jahren dort buddeln.

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