Kunstgruppe „Nartur“ bespielt den Wewerka-Pavillon
Automatisch sauber

Münster -

„Wenn der Berg nicht zum Propheten kommen will, muss der Prophet eben zum Berg gehen.“ Das scheint dem Maler mit der Öffentlichkeit genauso zu gehen. Und so geht die Kunstgruppe „Nartur“ neue Wege. Das Künstlerkollektiv aus Osnabrück, Münster und Berlin stellte Gemälde auf PKW-Anhänger oder fährt mit einem LKW voller Bilder durch die Stadt, auf dass auch Unbefangene die Gelegenheit haben, sich mit Malerei auseinanderzusetzen. In Münster bespielen sie die größte Ausstellungsvitrine der Stadt: den Wewerka-Pavillon.

Dienstag, 21.04.2015, 08:04 Uhr

Eine unförmige Putzkolonne rollt auf Staubsauger-Robotern durch den Wewerka-Pavillon, umkreist die Gemälde der Gruppe „Nartur“ und saugt dabei.
Eine unförmige Putzkolonne rollt auf Staubsauger-Robotern durch den Wewerka-Pavillon, umkreist die Gemälde der Gruppe „Nartur“ und saugt dabei. Foto: kok

Moritz Neuhoff und Stefan Wiesnau ( Kunstakademie Münster ) sowie Henning Bischof und Nils Leimkühler wollen Aufsehen erregen. Das fängt schon mit ihrem Namen an, der der deutschen Natur ein „r“ verpasst, um hier das englische „art“ für Kunst unterzubringen. Und weil Bewegung das menschliche Auge mehr reizt als statische Flachware, lässt das Quartett im Glaspavillon die Roboter rotieren. Vier Staubsauger mit der Intelligenz einer rammdösigen Fliege bewegen sich durch den Raum. Sobald sie an einen Widerstand stoßen, ändern sie ihre Richtung. Ein Opportunist könnte es nicht besser.

„Nartur“ hat für diese Installation einen Parcours aus Latten auf dem Boden aufgebaut, in dem zum Teil großformatige Gemälde aufgestellt sind, die nun von der automatisierten Putzkolonnen umwandelt werden. Und nebenbei wird es dabei automatisch sauber. Auf die flachen Zylinder hat das Kollektiv stelenartige Objekte gestellt. Somit sind die beständig herumirrenden Automaten von weit her zu sehen. Seit Kurzem begünstigt dadurch, dass rund um den Wewerka-Pavillon kräftig vor allem Büsche und Sträucher abgeholzt wurden.

Die unförmigen Gnome schweben um Bilder herum, die vom Kollektiv kollektiv erstellt wurden. In der Regel sind es abstrakte Flächen und Formen, die in unterschiedlicher Textur und Materialität gehalten sind.

Wer dem drolligen Treiben eine Bedeutung zumessen möchte, kann darin einen Protest sehen, eine Karikatur, eine Ironie: Sind unlebendige Wesen die einzigen, die sich noch für Malerei interessieren oder sind die Interessierten an Malerei unlebendige Wesen? Oder kreißt am Ende nur der Berg und gebiert eine Maus?

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Die Ausstellung wird am Dienstag (21. April) um 19 Uhr am Wewerka-Pavillon (Kardinal-von-Galen-Ring/Torminbrücke) eröffnet.

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