Breitenstein und Sturm in der Kunsthalle Münster
Überall kommt Farbe drauf

Münster -

Bevölkert von unzähligem „Treibgut“ aus den Wohn- und Kinderzimmern und Konsumwelten vergangener Jahrzehnte wirkt die Kunsthalle derzeit wie ein „Messie-Tempel“. Die beiden Künstler Oliver Breitenstein und Tassilo Sturm versuchen Grenzen des kreativen Schaffens, des Kunstbetriebes und der Rezeption aufzuweichen. Mit ihrer begehbaren Rauminstallation „Read The Fucking Manual“ (deutsch: „Lies die verdammte Gebrauchsanweisung), die sich beständig ändern soll.

Montag, 06.04.2015, 18:04 Uhr

Albert Ruppelt und Oliver Breitenstein (v.l.)
Albert Ruppelt und Oliver Breitenstein (v.l.) Foto: pesa

Jüngst sampelte Musiker Albert Ruppelt (aka. „Atwashere“) von 18 Uhr bis tief in die Nacht Hunderte Schallplatten, von 80er-Jahre Gassenhauern bis hin zu Hörspielen. Es sind nur spezielle Miniaturen der einzelnen Platten, die er digital umwandelt und archiviert, sodass er eine Bibliothek voller Soundfiles live „erspielt“ – vor Publikum, das an dem (sehr) langen Abend ständig wechselt. Oliver Breitenstein bearbeitet diese Soundfiles schließlich spät in der Nacht zu Collagen. Zuvor zerschnippelt er (mit Kippe im Mund) mal relaxt, mal wie von der Tarantel gestochen, Plattencover, shakert mit Spraydosen wie ein Barmixer, klopft und hämmert wild mit ihnen perkussiv auf Tische, Boden und Geräte, ruft irgendwas dazwischen und besprüht fast alles, was ihm unter die Finger gerät, frei oder mit Schablone. Der „Bildersturm“ zwischen Anarchie und Chaos macht auch vor Reggae-König Bob Marley nicht halt. Sein bekanntes Platten-Konterfei weicht einem poppig bunten Lackfleck aus der Dose. Das einst makellose Gebrauchsdesign von Mischpulten oder Plattenspielern bekommt einen neuen Anstrich. Pechschwarzes Vinyl wird noch beim Abspielen bunt umlackiert. Geplant ist nichts, vorhersehbar ist nichts, und wenn zwischendurch Unlust bei den Künstlern aufkommt, dann passiert auch nichts.

Wer viel Muße und Zeit mitbringt erlebt einen kreativen Prozess zwischen Musik von früher, Technik von heute und Sponti-Kunst von morgen. Das passt in keine Schublade. Das zieht nicht die Massen an und ist auch nicht wirklich abwechslungsreich. Das zeigt aber auch, wie frei Kunst sein kann, wenn man sie mal machen lässt. In Zeiten, in denen Freiräume immer enger werden. Für Kunst gibt es eben keine Gebrauchsanweisung.

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