25 Jahre Theater Titanick: Von einer Ruderboot-Fahrt zum erfolgreichen Unternehmen
Welt-Kulturbotschafter aus Münster

Münster -

Alles begann in einem Ruderboot auf dem Aasee. Uwe Köhler, Stony Assmann und Clair Howells ruderten so herum und redeten so vor sich hin: Yello Submarine, Arche Noah, Titanic . . . „Titanic, das ist es“, rief die Frau im Boot aus. Und eine internationale Erfolgsgeschichte war geboren: das Theater Titanick. Seit 25 Jahren tourt diese gelungene Kooperation von Ost (Leipzig) und West (Münster) nun schon um die Welt.

Samstag, 12.09.2015, 08:09 Uhr

Uwe Köhler vor Plakaten des Theaters Titanick, das in diesem Jahr 25 Jahre alt geworden ist.
Uwe Köhler vor Plakaten des Theaters Titanick, das in diesem Jahr 25 Jahre alt geworden ist. Foto: Gerhard H. Kock

Dass der Aasee zur Inspirationsquelle wurde, hängt vielleicht mit den schlechten Schulleistungen von Uwe Köhler zusammen. Der Schiller-Schüler hatte einem Freund versprochen: „Wenn ich das Abi schaffe, fahre ich im schwarzen Anzug mit dem Rad in den Aasee“. Köhler schaffte das Reifezeugnis und vergaß das Versprechen. Doch drei Jahre später erinnerte ihn der Freund daran. Also fuhr Köhler mit dem Anzug seines Vaters in den See. Der Beginn einer spektakulären Beziehung zum Wasser. Schließlich ist Titanick berühmt für sein virtuoses Spiel mit den Elementen.

Für das städtische Festival „Stadtklang“ wurde das erste Stück „Titanic“ drei Monate lang auf Haus Stapel in Havixbeck produziert; am 4. August 1990 war an den Aasee-Kugeln Uraufführung. Es hieß: Die setzen den Aasee in Brand. Es kamen Tausende. Das Publikum war gespalten in absolute Befürworter und skeptische Zweifler. Köhler: „Für uns war Titanic eine kreative Explosion. Wir wussten nun, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Unter dem Titel „Ein Volksfest mit der Avantgarde“ schrieb diese Zeitung damals: „Höllenlärm, Finsternis, glühende Funken und lodernde Flammen – das bizarr-skurrile Spektakel entlud sich in einem unerwarteten Inferno, bei dem alles untergeht, was nicht niet- und nagelfest ist.“ Das Stück wurde weiterentwickelt und der Dauerbrenner des Open-Air-Theaters.

Die Maueröffnung machte es möglich, dass „richtig gut ausgebildete DDR-Musiker“ (Köhler) wie Rainer Kühn und Gundolf Nandico vom „Theater aus dem Hut“ dazustießen, die von Bach bis Free Jazz alles drauf hatten. Denn auch wenn Uwe Köhler aus Münster das Gesicht des Theaters ist. Jede Produktion hat immer ein Kreativteam von mindestens fünf bis sechs Köpfen.

In Münster waren danach 15 Produktionen an 13 verschiedenen Orten zu sehen von den Aasee-Kugeln bis zum Alten Zoo. 80 Prozent der Aufführungen fanden im Ausland statt, das bedeutet, dass Theater Titanick ist – neben Pina Bausch und Sascha Waltz – einer der größten Kulturexporte im Bereich darstellende Kunst – also Kulturbotschafter für die Städte Münster und Leipzig, für die Länder Nordrhein-Westfalen und Sachsen und für Deutschland. Im Jahr 2011 ist ein dickes Buch über das Theater erschienen.

An diesem Wochenende starten die „Firebirds“ auf dem Flughafengelände Tempelhof in Berlin. Und die nächsten Produktionen sind schon in der Pipeline. 2017 soll es in der Goldstadt Pforzheim, in der 143 Nationalitäten leben, das Stück „Goldrausch“ über Migrationen geben.

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