Borchert-Theater präsentiert „Die Verwandlung“
Ungeliebtes Krabbeltier

Münster -

Beine und Arme in die Höhe gestreckt, liegt er zappelnd auf dem Rücken. Ein Mann in schwarzem Anzug, der gleich los zur Arbeit wollte. Doch über Nacht hat sich alles verändert: Aus dem Handlungsreisenden, bis dato die finanzielle Stütze der Familie, ist ein „ungeheures Ungeziefer“ geworden, das kaum von der Stelle kommt. Seine Umgebung reagiert verunsichert und schockiert, Gregor Samsa dagegen richtet sich langsam ein in seinem neuen Käfer-Dasein . . .

Donnerstag, 24.09.2015, 18:09 Uhr

Florian Bender flüchtet sich als Gregor Samsa ängstlich unter einen Stuhl.
Florian Bender flüchtet sich als Gregor Samsa ängstlich unter einen Stuhl. Foto: WBT

„Die Verwandlung “, eine von Franz Kafkas berühmtesten Erzählungen, beschreibt die surreale Situation eines Mannes, der unaufhaltsam auf sein tragisches Ende zutreibt. Im Wolfgang-Borchert-Theater kam das Stück jetzt auf eine kleine, von Elke König nur mit einem Stuhl ausgestattete Bühne des Foyers.

Regisseurin Monika Hess-Zanger hat Florian Bender mit ihrer eigenen Textfassung ein quirliges Solo auf den Leib geschrieben, das den Schauspieler nicht nur als Erzähler fordert, sondern auch sämtliche Nebenfiguren darstellen lässt. Dabei liegt der Fokus weniger auf den düsteren, hoffnungslosen Momenten als auf Groteske, die sich vor allem in den Nebenfiguren findet.

Die Mutter gibt sich so schwach, dass ein Anblick Gregors reicht, um mit verdrehten Augen ohnmächtig umzukippen, der Vater tritt als aggressiver Despot auf. Die Schwester trippelt, emotionslos wie eine hübsche Puppe, im Scheinwerferlicht, Samsas Vorgesetzter steht wie ein Zuhälter da und die drei Untermieter wirken, im Gegensatz zu Samsa selbst, wie gierige Parasiten.

Florian Bender stellt alle im fliegenden Wechsel hinreißend komisch dar, wenn er sie, wie Karikaturen ihrer selbst, auf die Bühne bringt. Hervorragend sein dynamisches, körperbetontes Spiel in der Rolle des Ungeziefers, sei es, dass er sich ängstlich unter dem Stuhl verkriecht, eine Säule anspringt oder sich ein Rohr hinaufzieht, quasi kopfüber krabbelnd. Ein bescheidenes, allmählich vergessenes, schließlich verachtetes Wesen, das sich seinem Schicksal ergibt.

„Die Verwandlung“ ist als mobile Produktion auch für Schulen gedacht; gerade bei jungem Publikum dürfte dieser tragikomische Ansatz gut ankommen.

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Anfragen bei der Dramaturgie unter Telefon 399 07 15.

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