Der Kleine Bühnenboden ist wieder da
Ein Himmel voller Schnitzel

Münster -

Wenn Mozart durch den Raum schallt, um die hehre Welt des Wiener Burgtheaters zu beschwören, hängt der Himmel voller Geigen. Im Kleinen Bühnenboden hängt er außerdem voller Schnitzel. Wir befinden uns auf der Sulzwiese, wo Theaterdirektor Claus Peymann und Dramaturg Hermann Beil Schnitzel mampfend vom ganz großen Shakespeare-Theater fantasieren. Ein Dramolett, in welchem beider Hausautor Thomas Bernhard sarkastisch Transzendenz und Trottelei zusammenzwingt. Wie hätten Konrad Haller und Toto Hölters ihre Kultbühne kultiger wiedereröffnen können als mit solch galligem Theater übers Theater?

Sonntag, 11.10.2015, 17:10 Uhr

Auf der Sulzwiese: Schnitzel mampfend werden Toto Hölters (l.) als Dramaturg Hermann Beil und Theaterdirektor Claus Peymann (Konrad Haller) gleich vom ganz großen Shakespeare-Theater fantasieren.
Auf der Sulzwiese: Schnitzel mampfend werden Toto Hölters (l.) als Dramaturg Hermann Beil und Konrad Haller als Theaterdirektor Claus Peymann gleich vom ganz großen Shakespeare-Theater fantasieren. Foto: zin

Zur Erinnerung: Eine Anwohnerin klagte über Lärm, der Vermieter kündigte den Raum fürs Foyer. Aber das (noch provisorische) neue Foyer reichte den Fans des Off-Theaters an der Schillerstraße am Freitag allemal zum Klönen, Feiern und – Schnitzelessen. Freudige Premierenstimmung, der Bühnenboden ist wieder da! Mit den zwei „Machern“ höchstselbst auf der Bühne. Haller und Hölters gaben dem Affen Zucker und reizten die zwei Bernhard-Dramolette süffig aus.

Erster Streich: „Claus Peymann und Hermann Beil auf der Sulzwiese“. Droben über Wien lässt Thomas Bernhard das Duo schwadronieren. Zwei Getriebene, von Albträumen Geplagte, die mit dem Mythos Burgtheater hadern. Sich selbst lässt Bernhard von Peymann ein „arrogantes Theaterscheusal“ schimpfen. Und Konrad Haller dehnt auf der Bühne den Namen von Peymanns Hassgeliebtem pathetisch grinsend in die Länge: „Der Bernhaaaard!“ Mit Theatermacher-Schal und irrem Funkeln im Blick lässt Haller (der einst selber unter Peymanns Regie spielte) Peymann in Größenwahn schwelgen: Den ganzen Shakespeare an einem Abend – und die Sonette mittendrin! „Hören Sie mich, Beil?“ – „Natürlich“, erwidert der Dramaturg wie immer. Was den Peymann wild macht. Nichts sei natürlich – „alles künstlich!“. Hölters spielt Beil mit ängstlichen Eichhörnchen-Augen als Widerpart des Regie-Großmuftis von eigenen Gnaden.

Streich zwei: „Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen“. Hier bringt sich Bernhard (Konrad Haller) selbst auf die Bühne, genauer: in die Umkleidekabine. Peymann (nun Toto Hölters) konstatiert mit gewohntem Pathos, dass keine Bühnenprobe so schwer wie eine Hosenprobe sei, und kommt zur Erkenntnis: „Österreich ist eine Komödie von Shakespeare!“ Vielleicht hat er damit sogar recht.

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Nächste Aufführung: 24. Oktober, 20.30 Uhr im Kleinen Bühnenboden

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